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Corporate Responsibility Review 2010 | Drucken |  E-Mail
Mittwoch, 17. März 2010
thumb_oekom_logoDie Finanz- und Wirtschaftskrise hinterlässt, von wenigen Einzelfällen abgesehen, keine Einschnitte im Corporate Responsibility (CR)-Management von Unternehmen. Im Gegenteil: Nachhaltigkeit wird in den Unternehmen vermehrt als Beitrag zur Stabilisierung und Sicherung der Zukunftsfähigkeit angesehen. Dies ist das Kernergebnis des oekom CR Reviews 2010, den die Nachhaltigkeits-Ratingagentur oekom research in Frankfurt vorstellt.

In vielen Branchen findet sich eine Spitzengruppe von Unternehmen, die sich einen Wettbewerb um die besten Leistungen zur Nachhaltigkeit liefert. Insgesamt haben derzeit 504 der über 3.000 analysierten Unternehmen den oekom Prime-Status und erfüllen damit die von oekom research definierten branchenspezifischen ökologischen und sozialen Mindeststandards. Unter den DAX 30 Unternehmen führen Henkel mit einer Bewertung von 64,7 von 100 möglichen Punkten, die Deutsche Telekom (63,3) und die Allianz (62,2). Im EuroStoxx 50 belegen mit sanofi-aventis (68,2) und Renault (67,6) zwei französische Konzerne die Spitzenplätze. „Diese Unternehmen sind auf einem guten Weg zu einem umfassenden CR-Management, trotz einiger Defizite“, bewertet Matthias Bönning, Head of Research bei oekom research, die Ergebnisse.

Dennoch fehlt es nach wie vor an der Verankerung des Themas in der Breite, wie die Analyse der Durchschnittsbewertungen für einzelne Branchen zeigt. Hier erreichen die Hersteller von Haushaltsprodukten mit 50,1 von 100 möglichen Punkten die höchste Bewertung, die Automobilbranche kommt im Durchschnitt auf eine Bewertung von 48,4, die Energieversorger liegen bei 46,7. Abgeschlagen rangieren die Versicherungen (32,1), die öffentlichen Banken (25,4) und die Immobilienunternehmen (25,2).

Manchen CR-Vorhaben mangelt es an Glaubwürdigkeit. „Vereinzelt erkennt man in den Aussagen der Unternehmen den Wunsch, nach den vielen negativen Meldungen im Zuge der Wirtschaftskrise endlich mal wieder positive Nachrichten zu produzieren“, so Bönning. „Damit die Unternehmen nicht in den Verdacht des green washings kommen, müssen sie den Ankündigungen bald Taten folgen lassen. Die Zahlen zeigen, dass selbst in den besten Branchen noch deutliche Verbesserungen im CR-Management notwendig sind.“

In einigen Branchen stellten auch 2009 Arbeits- und Menschenrechtsverstöße ein ernsthaftes Problem dar. Mehr als jedes zweite Unternehmen der Computerbranche (57,1 Prozent) und jedes zweite Textilunternehmen (50,0 Prozent) verstoßen vor allem in ihrer Zulieferkette gegen international anerkannte Mindeststandards im Arbeitsrecht. In Menschenrechtsverletzungen sind vor allem Bergbauunternehmen (34,5 Prozent) sowie Öl- und Gasproduzenten (18,2 Prozent) involviert.

„Eine Zunahme der Verstöße im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise bei Arbeits- und Menschenrechten sowie Korruption können wir bei den von uns analysierten Unternehmen aber nicht feststellen“, resümiert Bönning. „Bemerkenswert ist, dass auch Unternehmen Verstöße zeigen, die sich öffentlichkeitswirksam zur Einhaltung entsprechender Standards verpflichtet haben.“ Nach einer Analyse von oekom research verstoßen von den 45 Unternehmen aus dem Stoxx 50, die den UN Global Compact unterzeichnet haben, insgesamt 26 und damit mehr als die Hälfte gegen Prinzipien dieser großen freiwilligen Wirtschaftsinitiative.

Für 2010 weist die Kompassnadel nach Einschätzung von oekom research weiter in Richtung Nachhaltigkeit. Unternehmen, die nach diesem Ansatz wirtschaften, kommen besser durch die Krise und sind auch langfristig erfolgreicher. Deshalb interessieren sich immer mehr Anleger dafür. Hier hat sich der Aufschwung in 2009 fortgesetzt. Der Anteil nachhaltiger Kapitalanlagen ist bei Stiftungen oder vermögenden Privatanlegern nachweisbar gestiegen und das Produktangebot – etwa bei den Publikumsfonds – hat historische Höchststände erreicht.

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse


Entwicklung des nachhaltigen Investments

•    Nachhaltige Kapitalanlagen haben bei vielen Investorengruppen weiter  an Bedeutung gewonnen. Nie war – bezogen auf nachhaltige Publikumsfonds – das Angebot in Europa größer, nie das Volumen höher. Auch bei Stiftungen, Pensionskassen und vermögenden Privatanlegern ist das Interesse an nachhaltigen Kapitalanlagen nachweisbar gestiegen.

•    Im deutschsprachigen Raum waren per Ende 2009 313 nachhaltige Publikumsfonds mit einem Gesamtvolumen von rund 30 Milliarden Euro zum Vertrieb zugelassen. In Europa lagen die entsprechenden Zahlen bei 683 Fonds mit einem Volumen von 53,3 Milliarden Euro.

•      Die  deutschsprachigen Länder  liegen in Sachen nachhaltiges Investment deutlich hinter anderen europäischen Ländern zurück. So werden nach Schätzungen des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in Deutschland und Österreich nur 0,7 Prozent des gesamten Anlagevolumens unter Einbezug von Nachhaltigkeitskriterien getätigt. In der Schweiz liegt der Prozentsatz immerhin bei 2,8 Prozent. Zum Vergleich: In Belgien erreichen nachhaltige Anlagen einen Marktanteil von 20 Prozent, in den Niederlanden sogar von 40 Prozent.

•    Der Marktanteil nachhaltiger Kapitalanlagen in Europa liegt bei ca. 17,6 Prozent. Weltweit werden rund 5.000 Milliarden Euro unter Einbezug von Nachhaltigkeitskriterien verwaltet, gut die Hälfte davon in Europa.

•    Anlagen in Emerging Markets sind einer der neuen Anlagetrends im nachhaltigen Investment. Noch gibt es für dieses Engagement aber hohe Hürden. Hierzu zählt insbesondere die mangelnde Transparenz hinsichtlich der Corporate Responsibility von Unternehmen.

•    Das Vorurteil, dass nachhaltige Kapitalanlagen gegenüber konventionellen Anlagen einen systematischen Performancenachteil aufweisen, hält sich hartnäckig. Zahlreiche empirische Studien haben auch 2009 belegt, dass diese Annahme falsch ist.

•    Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien gehört zur treuhänderischen Pflicht von Vermögensverwaltern. Darauf weist die Finanzinitiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP FI) in einer Studie hin. Die Studie räumt damit mit dem Vorurteil auf, aus Gründen der treuhänderischen Verantwortung dürfe man als Vermögensverwalter keine Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen.

•    Auch Mikrofinanz-Anlagen erfreuen sich steigender Beliebtheit. Derzeit gibt es mehr als 100 Mikrofinanz-Investmentvehikel, d. h. Investmentfonds und strukturierte Produkte, mit einem Gesamtvolumen von knapp sechs Milliarden Euro.

•    Neben dem Best-in-Class-Ansatz und der Nutzung von Ausschlusskriterien gewinnt das so genannte „Engagement“, d. h. der aktive Dialog zwischen Unternehmen und Aktionären bzw. die Nutzung der Stimmrechte für soziale und umweltbezogene Ziele, als dritte Säule des nachhaltigen Investments an Bedeutung.

•    Nach einer Umfrage im Auftrag der DZ Bank aus dem Herbst 2009 interessieren sich 55 Prozent der befragten Privatanleger für Anlageprodukte mit Umweltbezug, im Frühjahr 2008 waren es noch 48 Prozent gewesen.

Corporate Responsibility im Unternehmensmanagement Gesamtperformance


•    Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat von wenigen Einzelfällen abgesehen bisher keine Bremsspuren im CR-Management der Unternehmen hinterlassen. Ein systematisches Abbröckeln der entsprechenden Aktivitäten oder eine Zunahme von erstößen etwa bei Arbeits- und Menschenrechten oder Korruption sind nicht erkennbar.

•    Im Gegenteil: Nachhaltigkeit wird in den Unternehmen vermehrt als Beitrag zur Stabilisierung und Sicherung der Zukunftsfähigkeit angesehen. Aber: Manche Initiative ist klar als Greenwashing einzustufen.

•    Im Durchschnitt sind die Unternehmen von einer nachhaltigen Unternehmensführung weiterhin weit entfernt. Der Wettbewerb um die beste Nachhaltigkeitsleistung – Grundidee des Best-in-Class-Ansatzes im nachhaltigen Investment – funktioniert (nur) in einer Spitzengruppe. Defizite bestehen weiterhin bei der Verankerung des Themas in der Breite.

Zur Studie:
Die Studie „oekom Corporate Responsibility Review 2010 – Nachhaltigkeit in Unternehmensführung und Kapitalanlagen“ dokumentiert zentrale Entwicklungen bei den nachhaltigen Kapitalanlagen und im unternehmerischen Nachhaltigkeitsmanagement. Dabei werden verschiedene Themenbereiche betrachtet, u. a. die Qualität der Nachhaltigkeitsberichterstattung, die Verbreitung von Verstößen bei Korruption und Kartellrecht sowie das Engagement der Unternehmen in den Bereichen Klimaschutz, Biodiversität, Energie und Wasser. Die komplette Studie finden Sie unter:
icon Studie 2010 – Nachhaltigkeit in Unternehmensführung (Link)

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oekom research – die Rating-Agentur
oekom research zählt zu den weltweit führenden Ratingagenturen im Bereich des nachhaltigen Investments. Wir analysieren Unternehmen und Länder hinsichtlich ihrer ökologischen und sozialen Performance. Als erfahrener Partner von institutionellen Investoren und Finanzdienstleistern identifiziert die Ratingagentur diejenigen Emittenten von Aktien und Rentenpapieren, die sich durch ein verantwortungsvolles Wirtschaften gegenüber Gesellschaft und Umwelt auszeichnen. Die Analysen von oekom research fließen in über 75 Fonds ein und beeinflussen damit derzeit rund 90 Milliarden Euro Assets under Management.

 
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