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Cranio Sacrale Körperarbeit | Drucken |  E-Mail
Anne Mohr-Bartsch„Wenn ich das schon früher gewusst hätte!“ das höre ich jeden Tag in meiner langjährigen Arbeit mit der craniosacralen Körpertherapie und Elementen aus der Traumatherapie (nach Peter Levine). Vor allem in der Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern, bin ich immer wieder erstaunt, wie schnell sich Körper und Psyche neu organisieren um gesund zu werden.

CRANIO SACRALE KÖRPERARBEIT
im Kontext mit prä- und perinatalen Traumata

Viel Stress und Leid könnte Eltern und Kindern erspart bleiben, wenn Information über diese Therapieform weiter verbreitet wäre und die Kinder früh genug zur Behandlung gebracht würden. Wir als Therapeuten „hören“ dem Körper zu, nehmen Kontakt mit der Selbstheilungskraft des craniosacralen Systems auf und lassen uns von dem körperlichen Empfinden des Klienten durch die Sitzung führen. Ich helfe dem Patienten, alles, was an Veränderungen im Kör-per geschieht, zu integrieren.

Das „Hören“ bezieht sich auf den craniosacralen Rhythmus. Es ist mehr ein „Spüren“ in die Tiefe eines Menschen. Ein „Spüren“ in die Tiefen des Liquorflusses – Schutz und Nahrung unseres Gehirnes und Rückenmarks. Ca. 150ml Liquor fließen in einer pulsierenden Bewegung durch den Wirbelkanal, durch periphere Ausgänge der Nervenkanälchen in das Lymphsystem, es umfließt unser Gehirn und wird dort gebildet und resorbiert. Dieser ganz eigene Puls bewirkt im ganzen Körper eine feine Bewegung, die man überall wahrnehmen kann. Es gibt hier wie beim Atemrhythmus eine Inhalationsphase (Druckanstieg bei der Bildung des Liquors) und eine sogenannte Exhalationsphase (Drucksenkung bei der Resorption). Während des Druckanstiegs, weitet sich der Körper – umgekehrt bei der Exhalationsphase – hier wird der Körper eher schmal. Die Schädelknochen haben hierbei bestimmte Bewegungsabläufe, an denen auch die inneren Strukturen, vor allem die Gehirnhäute beteiligt sind. Beim Erwachsenen sind diese Abläufe sehr genau zu erfühlen, beim Neugeborenen und bei Säuglingen ist der Schädel noch sehr weich und die Bewegungsmuster sind hier noch nicht so genau zu erkennen.

Die Behandlung gehört zur Osteopathie, einer Form der manuellen Therapie. Die ersten Ansätze stammen bereits aus der Zeit der Jahrhundertwende, gerieten jedoch wieder in Vergessenheit. Erst in den 70er Jahren wurde dieser Ansatz von Dr. John Upledger wieder aufgegriffen, weiter erforscht und wissenschaftlich belegt. Durch behutsame indirekte Arbeit am Bindegewebe, den Membranen und den Schädelknochen werden Blockaden dieses Systems wahrgenommen und gleichzeitig behandelt. Da im Bindegewebe alte Verletzungen – sowohl körperliche als auch seelische – gespeichert sind, können wir durch diese feinfühlige therapeutische Arbeit spontanen Zugang zu wichtigen tiefgehenden Erinnerungen finden. Alte Traumata können verarbeitet, aus dem Körper entlassen, und Blockierungen damit aufgelöst werden. Das Cranio Sacrale System wird so wieder in Balance gebracht

„Jede Verzerrung am Muskelskelettsystem des Neugeborenen kann langanhaltende Probleme bringen. Diese Dysfunktionen direkt nach der Geburt zu erkennen und zu behandeln, ist eine der wichtigsten Phasen der präventiven Medizin.“  Viola Frymann (Trauma of birth)

Der craniosacrale Rhythmus oder auch „Atem des Lebens“ genannt, kann in drei verschiedenen Qualitäten erfasst werden: Der craniosacrale Impuls (CRI) hat einen Rhythmus von ca. 6-14 Zyklen pro Minute, er macht eine Aussage über die Genetik, die Erfahrungen und die Geschichte eines Menschen. Der zweite langsamere Rhythmus bewegt sich in einem Zeitraum von 2,5 Zyklen pro Minute. Er wird auch „Potency Tide“ oder „Midtide“ genannt, er steht für die biodynamische Kraft im Liquorfluss. Als tiefster Ausdruck Vom „Atem des Lebens“ existiert noch der „Long Tide“ mit einer Zyklusdauer von ca. 100 Sekunden.
Über den CRI finde ich die Information über Verletzungen psychischer und physischer Natur im Bindegewebe und am Schädel. Meine Aufgabe ist es jetzt, den einzelnen Abläufen bis zu Extrempunkten zu folgen, über meine Hände, Stimme und Augenkontakt in Verbindung mit dem Baby zu bleiben, bis ein sogenannter Stillpunkt eintritt, d. h. der CRI anhält. Meist tritt hier eine tiefe Ruhe ein, in der der Körper in Kontakt mit den Selbstheilungskräften kommt, um dann in den nächst langsameren Rhythmus überzugehen den „Potency Tide“. Während die Aufmerksamkeit des Therapeuten sich beim CRI auf einzelne Stellen richtet, so richtet sie sich hier auf den ganzen Körper. Je deutlicher und klarer dieser Puls zu spüren ist um so mehr ist der Klient mit seinen gesunden Ressourcen verbunden und umso schneller kann sich sein Körper erholen. Wenn die Aufmerksamkeit in den „Longtide“ eintaucht, so breitet sich eine tiefe Ruhe aus, in der der Klient Kraft schöpft. In dieser tiefen Schicht sind keine traumatischen Muster gespeichert.
Lange Zeit habe ich nur mit Erwachsenen gearbeitet, in den letzten Jahren jedoch hat sich der Schwerpunkt meiner Arbeit immer mehr auf Babys und Kleinkinder verschoben.
Mir wird immer mehr bewusst, wie vielschichtig die Traumatisierungen sind, die man im prä- und perinatalen Bereich findet, sowohl auf psychischer als auch physischer Ebene. Auf der anderen Seite bin ich genauso erstaunt, wie schnell die Babys sich mit Hilfe der cranio-sacralen- und Traumatherapie durch eine Verletzung oder Fehlstellungen der körperlichen Struktur arbeiten und sich – natürlich auch durch die gleichzeitige Arbeit mit den Eltern – ein entspannter gesunder Zustand einstellen kann.
Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Traumatisierungen wesentlich globaler und tiefgehender, da das Nervensystem noch vollkommen anders reagiert als bei größeren Kindern und Erwachsenen. Pränatale Traumata wirken lebenslang, wenn sie von weiteren verstärkenden oder interaktionellen Traumata (d.h. verschiedene Traumata interagieren miteinander und verstärken sich gegenseitig) begleitet werden wenn dies nicht entsprechend behandelt und aufgelöst wird.

1. Babys übernehmen elterliche Erfahrungen und Gefühle. Dies geschieht zum Teil auf biochemischem Weg (durch Katecholamine), aber wohl auch medial. Die bedeutsamsten formativen Erlebnisse finden während der ersten 3 Monate statt (Frank Lake) R.D. Laing schreibt in seinem Buch „Die Tatsachen des Lebens“: „Ich registriere meine Umgebung von Beginn des Lebens an; mit der ersten meiner Zellen. Was den ersten ein oder zwei Zellen von mir zustößt, vibriert durch alle den ersten zellularen Eltern folgenden Generationen. Die erste trägt alle meine genetischen Erinnerungen.“

2. Entdeckung ungewollter Schwangerschaft. Gedanken, Gefühle der Mutter, Streitgespräche ob Abtreibung oder nicht, haben im späteren Leben Depressionen und autoaggressives Verhalten ihren Ursprung in dieser pränatalen Zurückweisung. Gleichzeitig entsteht schon hier ein Problem in punkto Bindung. Oft sind diese Menschen ein ganzes Leben lang auf der Suche nach Akzeptanz und Liebe. Weiter hierfür typische Reaktionen sind Hilflosigkeit, Wut gegen andere, übertriebener Gerechtigkeitssinn etc.

3. Pränatale Eingriffe. Z.B. Fruchtwassernadeln und Katheder werden als aggressiven Angriff auf das Leben empfunden. Entweder die Embryos ziehen sich völlig zurück oder schlagen sogar nach den Nadeln! Anästhetika werden als Vergiftung empfunden, chemische oder mechanische Abtreibungsversuche, lassen die normale Geburt auch wenn sie noch so gut verläuft, lebensbedrohlich erscheinen.

4. Pränatale Aggression. Kriegserlebnisse während der Schwangerschaft oder Vergewaltigungen der Mutter, physischer oder psychischer Missbrauch oder Gewalt erhöhen die Bereitschaft zur späteren Gewalttätigkeit.

5. Adoption. Meistens haben Adoptionskinder schon eine schwierige pränatale Phase hinter sich. Möglicherweise Abtreibungsgedanken, -Versuche, Zeugungstrauma evtl. Vergewaltigung, psychologischer Stress (das Kind war den Gefühlen der Mutter ausgesetzt, evtl. kulturelle oder soziale Schande). Das i-Tüpfelchen ist dann noch das Weggeben des Kindes – „ich bin nicht wert, dass ... ... ...“

Die Ereignisse aus der prä- und perinatalen Zeit werden deshalb so extrem prägend, da in diesem Lebensabschnitt, - das gilt übrigens bis ca. zum 6 Lebensmonat - das Nervensystem noch eine andere Funktionsweise hat. Pränatal ist das Nervensystem noch rudimentär ausgebildet und noch ohne Schutzschicht. Diese Schicht ist das sogenannte Myelin. Deshalb werden die Erinnerungen mehr über die Zellen gespeichert (Frank Lake). Bei Stress bekommt das Nervensystem einen hohen Reiz. Wenn dieser hohe Reiz eine Überwältigung des ANS darstellt, so kann das Nervensystem nicht mehr ganz in die Balance zurück. D.h. es bleibt in einer gewissen „Gereiztheit“, was natürlich Einfluss auf den Zellmetabolismus, auf das Endokrinum und somato-viscerale Verhalten hat. Man nennt es daher ein globales Trauma, weil es die Gesamtentwicklung – Körper-Geist und Psyche beeinflusst!

Geburtstraumata

  • Zu lange Wehenphase
  • Steckenbleiben im Geburtskanal
  • Nabelschnur um den Hals
  • Vakuum, Zange 

Sectio Postpartale Traumata

  • zu schnelle Untersuchung des Neugeborenen, ohne Zeit zum Bonding zu geben
  • Trennung von Mutter und Kind aus verschiedenen Indikationen heraus
  • künstliche Beatmung des Säuglings, vor allem Überdruckbeatmung
  • Brutkasten
  • Operationen

Meine ganz persönliche Meinung ist, dass sich die daraus entwickelnde persönliche Struktur ganz extrem auf die Gesellschaft auswirkt. Da die Tendenz zu Aggression und Gewalt immens steigt, möchte ich auf die Auswirkung von prä- und perinatalen Traumata auf Aggression und Gewalt hinweisen.

Generell möchte ich betonen, wie wichtig es ist, einem Baby die Möglichkeit zu geben „ausgerichtet“ und möglichst frei von negativ prägenden Strukturen in sein Leben zu gehen und somit eine gesunde Grundlage für seine Entwicklung und sein Wachstum zu haben. Die Anordnung der gesamten Schädelknochen und aller Wirbel bis hin zum Steißbein sind maßgeblich für Statik und Funktion. Genauso wichtig ist die Funktion des zentralen Nervensystems, des Gehirns und eine gesunde Sensorik und Motorik. Somit hat das Kind einen optimalen Start in sein Leben.
icon Dieser Artikel - Cranio Sacral

Kleine Sorgenkinder
Alternative Heilverfahren für Säuglinge und Kleinkinder

Broschiert: 176 Seiten ·  Verlag: Kösel (März 2007) ·  ISBN-13: 978-3466307463

Autorin: HP Anne Mohr-Bartsch, Kirchenstr. 1, 85540 Haar
Kursnachfrage: 089/4606262

Anne Mohr-Bartsch, geb.1950, 8 Jahre Tätigkeit an der Münchner Univ. Poliklinik als MTRA, Heilpraktikerin, Mutter von drei inzwischen erwachsenen Kindern, seit 15 Jahren Craniosacraltherapeutin, ausgebildet in Gesprächsführung, NLP, Hypnose, Traumatherapie, Lehrerin für Craniosacrale Traumatherapie und Meditation.
www.cranio-traumatherapie.de
 
 

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