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SOLPACK1.0 Nachhaltige Verpackung | Drucken |  E-Mail
Mittwoch, 7. März 2012
bildflyerAm 28. Und 29. Februar 2012 veranstaltete die SOLUTIONS Branding & Design Companies AG, Deutschlands größtes Unternehmen für Verpackungsdesign, Ihre erste Konferenz zu nachhaltigen Verpackungen für den D-A-CH-Raum. Fast achtzig Teilnehmer aus Industrie, Handel, Beratungsunternehmen, Recycling und Verpackungslieferanten kamen nach München, um einen 360°-Blick auf dieses topaktuelle Thema zu gewinnen. Dabei ergaben sich auch einige überraschende Erkenntnisse sowie spannende Diskussionen unter den Anwesenden, die sich erfreulich austauschfreudig untereinander zeigten.

Zentrales Thema der Konferenz war die Strategie der Nachhaltigkeit, die ein Unternehmen für sich definieren muss, um die Ziele festzulegen. So machte die EPEA Internationale Umweltforschung  GmbH den Auftakt und präsentierte  den Anwesenden  Ihren Ansatz des Cradle-to-Cradle®, um Ressourcen zu schonen und wieder in den Rohstoffkreislauf zurück zu führen. Für Verpackungen ergibt sich somit die Marschrichtung, dem Recycling ein besonderes Augenmerk zu widmen. Die thermische oder kalte Verwertung (Kompostierung) von Verpackungen und Produkten stellen somit die letzte erstrebenswerte Alternative nach einem Recycling oder Downcycling dar.

Auch die unterschiedlichen Ansätze der Ökobilanzen und deren Ausrichtungen wurden lebhaft diskutiert. Ob sich ein Unternehmen z.B. der Energieeinsparung, der CO2-Reduktion, dem reduzierten Wasserverbrauch  oder den toxikologischen Gesichtspunkten  verstärkt widmet, es  gibt keinen allgemeingültigen Ansatz. Und noch weniger ein einheitliches Vorgehen oder gar Siegel, das für alle Zielrichtungen gleichsam Gültigkeit und Aussagekraft besitzt. Allen gemeinsam ist die Analyse zu Beginn des Prozesses, die zeigt, wo das Unternehmen die größten und schnellsten
Fortschritte erzielen kann.

Bei einigen Bilanzierungen steht am Ende ein CO2-Fußabdruck  mit einem kalkulierten Wert, manchmal in sehr viel aufwändigerem Verfahren der Beitrag zum LCA (Life Cycle Assessment), der versucht, alle angrenzenden Faktoren mit einzuschließen. Allen Bewertungen gemein ist, dass diese Werte ständig neuen Anforderungen unterliegen und der finale Wert für den Verbraucher keinerlei Aussagekraft besitzt. Sie sind daher heute nur in der B2B- oder unternehmens-internen Kommunikation von Bedeutung.

solpack_logo

Eine weitere Alternative ist die Zertifizierung als klimaneutrales Unternehmen, Dienstleistung oder Produkt. Hierbei werden die entstandenen CO2-Aufwendungen jährlich erfasst und durch Investition in zertifizierte Klimaprojekte kompensiert. Dadurch werden die Aufkommen an anderer Stelle eingespart. Die Erfassung der CO2-Faktoren gibt auch die Potenziale für zukünftige CO2-Reduktionen vor. Nicht selten sind damit auch Kosteneinsparungen verbunden. Die Säulen der Ökologie und Ökonomie wären somit gegeben. Die soziale Säule sollte jedoch auch Bestandteil der Bestrebungen sein.

Im weiteren Verlauf widmete sich die Konferenz den Biokunststoffen, laut den Anwesenden das Verpackungsmaterial, dem das Hauptaugenmerk gilt. Verschiedene Aspekte wurden beleuchtet:
der WWF Deutschland zeigte auf, warum er aktiv bei der Entwicklung des Activia-Bechers mitgewirkt hatte und er dieser Verpackung den Vorzug vor dem Polystyrolbecher gibt, auch wenn die Ökobilanz derzeit noch eine Gleichstellung beider Materialien ausweist. Die Zukunft verspricht jedoch bei einem implementierten Recycling von PLA (Maismilchsäure) eine deutliche Verbesserung der Bilanz und somit Vorteile gegenüber dem fossilbasierten Polystyrol.


Dass die technischen Möglichkeiten des selektiven Recyclings von PLA gegeben sind und dieses Material heute kein ernsthaftes Störmaterial im Recycling darstellt, betonten einhellig die Vertreter der Interseroh Dienstleistungs GmbH und der Duales System Deutschland GmbH. Gleichzeitig stellt Abfall ein immer kostbareres Gut dar, wie auch der neu entwickelte Rohstoff Procyclen zeigt, der von Interseroh für die Rewe-Tochter Toom als Verpackungsmaterial der Farbenrange Genius Pro entwickelt wurde. Dieser Rohstoff setzt sich aus den nicht-selektierten Kunststoffen im Recyclingprozess zusammen und steht somit als weitere Alternativverwendung vor der thermischen Verwertung.

Auch die Danone GmbH selbst präsentierte ihre Gründe für die Entwicklung des Activia-Bechers, der vor allem in der Fachwelt für hohes Aufsehen sorgte. Die meisten Anwesenden waren sich einig, dass Danone einerseits eine Lanze für Biokunststoffe gebrochen hat, andererseits für erhebliche Diskussion und Verunsicherung über die Kommunikation von neuen Verpackungen auf Biokunststoffbasis sorgte. Beim Verbraucher kam diese Diskussion laut den Teilnehmern jedoch gar nicht an. Mit Ausnahme von Österreich, wo die spezielle Situation des Mopro-Marktes dazu führte, dass die regional stark begrenzten Genossenschaften dieses Thema als willkommene Attacke gegen die Glaubwürdigkeit der national präsenten Marke dankbar aufnahmen.

Dass sich die konventionellen und Bio-Kunststoffe bisher nicht ganz grün waren, zeigte die Diskussion  der Vertreter beider Interessenvereinigungen.  Die Wahrung der Basisfunktionen steht immer an erster Stelle einer Verpackung. Hier bieten Kunststoffe allgemein viele sinnvolle Einsatzmöglichkeiten. Unabhängig von der Rohstoffdiskussion „fossil oder nachwachsend“ zeigen sich in manchen Fällen aber auch deutliche funktionale Vorteile von Biokunststoffen – z.B. im Frische, Wurst- und Käsesegment. Darüberhinaus besitzen Biokunststoffe auch das Potenzial, das Image von Kunststoffen insgesamt zu verbessern, das bis auf die PET Mehrwegflasche beim Verbraucher als überwiegend negativ eingstuft wird. Selbst ohne die Existenz allgemein bekannter Bioverpackungen schätzt der Konsument einen Biokunststoff spontan deutlich positiver ein – ein großer Vertrauensvorschuss, der auch für die Marke genutzt werden kann. Erfreulich war, dass sich beide Parteien über die Konferenz annäherten.

Einige Argumente werden gegen Biokunststoffe
ins Feld geführt, die teilweise wenig oder nur begrenzt stichhaltig sind. Diese meistgenannten Argumente wurden von SOLUTIONS intensiver betrachtet. Ein Blick auf die Fakten mag auch auf eine gewisse, vielleicht unbewusste Doppelmoral in der Branche hindeuten: einerseits werden maisbasierte Verpackungen als genmodifizierter Rohstoff abgelehnt, Nahrungsmittel mit dem Süßungsmittelgrundstoff Mais geraten jedoch gar nicht ins Augenmerk. Mais als TOP3-Getreide weltweit findet seine mit Abstand höchste Verwendung in industriellen Anwendungen. Jedoch ist nur ein Teil des Maises aus genmodifiziertem Anbau. Auch die Bedenken „Verpackung gegen  Nahrung“ und „Verpackung gegen Regenwald“ wurden auf ihre Berechtigung hinterfragt.


Welche Schwierigkeiten sich bei der Suche nach umweltfreundlicheren Verpackungen ergeben können, zeigte der Vortrag aus dem Hause Unilever. Die global agierenden Marken müssen auch die weltweiten Aspekte von Konsum einerseits und den verfügbaren Rohstoffen und den Recyclingmöglichkeiten im jeweiligen Land bzw. der Region mit berücksichtigen. Daher fällt der Nachhaltigkeitsansatz beim Global Player mit fünfzig verschiedenen Optimierungsparametern sehr umfangreich aus und muss für jedes einzelne Produkt und Marke separat abgewägt werden.


Einige überraschende Informationen zum Rohstoff Aluminium hatte Ball Packaging parat: Mit 96 % Recyclingquote aller Getränkedosen liegt dieses Material zusammen mit Stahl/Weißblech ganz oben in der Recyclingliste der Verpackungen. Der hohe Energieaufwand bei der Aluminiumproduktion reduziert sich im Recyclinglauf zu neuen Dosen auf nur noch 5 %. Die 100%ige Wiedergewinnung des Metalls bietet somit einen unbegrenzten Einsatz, der sich auch dadurch ausdrückt, dass sich heute noch 75 % des ursprünglich als Dosen in Umlauf gebrachten Aluminiums im Kreislauf befindet.

Auch die Kartonagen sind dem Trend zu immer umweltfreundlicheren Verpackungen ausgesetzt, obwohl diese heute schon eine sehr hohe Akzeptanz beim Verbraucher aufweisen. Die Zertifizierung nach FSC oder PEFC allein ist aber nicht der einzige Ansatz, die Nachhaltigkeit zu stärken. Denn die Verwendung von Holz als Energierohstoff verteuert den Zellstoff. Alternativen zu Holz sind daher teilweise schon existent oder in der Probephase. Dies können Zellstoffe aus Zuckerrohr sein, die auch als Muster gezeigt wurden, oder aus sonstigen Pflanzenresten und Agrarabfällen.

Hier gab die Papiertechnische Stiftung einen kurzen Einblick in die derzeitigen Entwicklungen. Mehrfach wurde auch die Herangehensweise an eine Umstellung von Verpackungen diskutiert. Dem Ziel einer „100 %igen Umstellung“ wurde dabei eine klare Absage erteilt, da es quasi unerreichbar ist und gleichzeitig immer noch Potenzial für eine Fehlersuche offenbart. Dagegen stellt eine schrittweise Optimierung und Zielvorgabe einen ehrlichen und offenen Weg dar, der auch so kommuniziert werden muss. Dieser Ansatz kann auch sofort gestartet werden. Ein Unternehmen, das mit z.B. 20% startet, in 2-3 Jahren 40-50 % erreichen möchte, um später vielleicht auf 80 % zu gelangen, hat keine Kritik an der Umsetzung zu befürchten, wenn es dies in der Kommunikation so darstellt und kein Greenwashing betreibt.


Tag 2 begann mit der Präsentation von Ergebnissen einer Verbraucherbefragung, die SOLUTIONS im Winter 2011/2012 online durchführte. Dabei zeigte sich, dass es ein großes Potenzial für die Marken gibt, die nachhaltigere Packungen auf den Markt bringen. Welch große Rolle die Materialien allein in der Wahrnehmung der Konsumenten spielen, konnte die Studie belegen, die mit einer ProCarton-Studie aus dem Jahr 2009 abgeglichen wurde. Dabei haben insbesondere Zellstoffmaterialien und Mehrweggebinde in der Einschätzung der Verbraucher die Nase vorn. Nur die
Bio-Kunststoffe haben noch eine gute Bewertung unter ökologischen Gesichtspunkten erreicht. Die Tatsache, dass die überwiegende Zahl von Siegeln keinerlei Bedeutung für den Konsumenten hat, deutet auf die Notwendigkeit hin, gemeinsame, schnell erfassbare und aussagekräftige Lösungswege zu suchen, statt Insellösungen.


Als nächstes stellte SOLUTIONS sechs Ideen vor, wie Produktikonen des  Supermarktregals auf umweltfreundlichere Verpackungen umgestellt werden könnten. Hierbei wurden die derzeitigen Knackpunkte der Packungen herausgearbeitet und alternative Ansätze vorgestellt. Die Ideen wurden mit großem Interesse aufgenommen und einige Prototypen will SOLUTIONS in den nächsten Monaten auf ihre Machbarkeit mit Herstellern überprüfen.

Das Fraunhofer Institut zeigte auf, wie mit Nanotechnologie die Funktion von Packungen verbessert werden kann. Dabei stellte sich auch heraus, dass die Detailkenntnisse der Technologie meist gering,  die spontanen  Assoziationen  aber eher negativ  sind. Am  Beispiel von PET- Getränkeflaschen wurde die Wirkweise dann bildhaft dargestellt. Sicherlich haben einige Teilnehmer nach dem Beitrag ihr Bild der Nanotechnologie neu überdacht.

Zum Abschluss haben noch zwei Vorträge den Teilnehmern die Wege zu umweltfreundlicheren Verpackungen aufgezeigt. Bio4Pack stellte die neue Bio-Fleischverpackung von VION in England vor, die über fünf Jahre entwickelt wurde. Die PLA -basierte Verpackung weist neben einer verbesserten qualitätssichernden Funktion auch komplett kompostierbare Eigenschaften auf, die sich im „Keimling-Logo“ niederschlagen. Dieser Ansatz wurde von VION angestrebt, was die Entwicklungszeit auch deutlich verlängerte. Den höheren Preis der Verpackung nahm VION dabei als Qualitätsmehrwert in Kauf, der sich auch bei Verkaufsgesprächen auszahlt.


Die Epple Druckfarben AG präsentierte Ihre BoFood-Farben als weiteren Schritt zu nachhaltigeren Kartonverpackungen.  Alle Farben und Lacke basieren auf Lebensmittelzusatzstoff-bewerteten Rohstoffen, sodass eine migrationsunbedenkliche Bedruckung mit diesen Farben möglich ist. Der
höhere Preis schlägt dabei für eine komplette Verpackung nur marginal zu Buche. Die Druckereien stellen vermehrt auf eigene BoFood-Drucklinien um, die nur diese Farben verwenden und ihren Kunden somit die Chance bieten, neu konzipierte Kartonverpackungen bis hin zur Veredelung
umweltfreundlich zu optimieren.


Als Fazit kann festgehalten werden:

• Zu Beginn von Nachhaltigkeitsbestrebungen sollte eine umfassende Analyse der Ist-Situation stehen, aus der sich wiederum die Zielvorgaben der kommenden Jahre ableiten.

• Das Recycling von Verpackungen stellt für die Zukunft eine zentrale Bedeutung in der Packungsentwicklung dar.

• Jedes Produkt verlangt und bietet eigene Lösungen. Die Entwicklungs-zeiträume können je nach Produkt kurzzeitig oder mehrjährig ausfallen – wer in 2-3 Jahren für den Wettbewerb gewappnet sein möchte, sollte den Prozess frühzeitig starten, um sich im B2C und B2B-Geschäft zu profilieren.

• Ein Großteil der Verbraucher ist bereit, die Bestrebungen nach umweltfreundlicheren Verpackungen  zu honorieren. Dafür verlangt er eine ehrliche und nachvollziehbare    Kommunikation.

• Die heute vielfältig verwendeten Siegel, CO2-Ausweisungen oder Footprints sind für den Verbraucher in der Regel ohne Aussagekraft und daher irrelevant. Es bedarf daher eines allgemeingültigen Siegels, das eine nachhaltige Verpackung schnell erfassbar kennzeichnet und nachvollziehbar begründet. SOLUTIONS wird diesen Prozess unterstützen und mitwirken.

• Die Kostenfrage ist aktuell noch ein Scheideweg für umweltfreundlichere Verpackungen. Hersteller und Handel sind gefordert, hier einen gemeinsamen Weg zu beschreiten, um Potenziale zu nutzen. SOLUTIONS hat hierfür erste Möglichkeiten aufgezeigt und wird in dieser Frage weiter zwischen Industrie und Handel vermitteln.

• Es wird immer jemanden geben, der Einwände hat. Aber die Masse unterstützt den Umweltgedanken. Zitat einer Teilnehmerin: „Steine im Weg können ein Hindernis sein, sie können aber auch einen Weg ebnen“.


SOLUTIONS plant auch eine Studie zur detaillierteren Erhebung von Verbrauchereinstellungen zum Thema Nachhaltigkeit und nachhaltige Verpackungen. Spielen die Bedenken in der Fachwelt zu Biokunststoffen für den Konsumenten überhaupt eine Rolle, hat er die Diskussion überhaupt wahrgenommen, welches Siegel könnte es schaffen, ihm einen schnellen Überblick über umweltfreundlichere  Verpackungen  zu geben, spielt für ihn die Recycelbarkeit  von Materialien eine imagebildende Rolle? Diese und weitere Fragen möchten wir gern beantworten.

Peter Désilets ist Executive Director der Münchner Niederlassung der SOLUTIONS Branding & Design Companies AG.

 
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