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Neue Ökologiebewegung - Deutsch-Sein im Alltag | Drucken |  E-Mail
koordinaten In Deutschland findet noch immer eine Schulddiskussion statt - Umweltschutz ist immer noch negativ definiert. Wirtschaft und Selbstverständnis der Deutschen, auf der ewigen Suche nach sich selbst. Das Nationale ist den Deutschen fremd, so dass Deutsch-Sein zu einem rein pragmatischen Lebensgefühl wird. Das hat eine aktuelle Studie der Düsseldorfer Identity Foundation ergeben.

Die Neue Ökologiebewegung ist in Deutschland noch nicht angekommen
In Deutschland findet noch immer eine Schulddiskussion statt, in welcher der Einfuss des Menschen oft negativ gesehen wird. So schreibt z.B. das Umweltbundesamt:"Schützt die Umwelt und fahrt weniger Auto". Somit wird Umweltschutz immer noch negativ definiert als "weniger Zerstörung". Einen Grund dafür sehe ich in der fatalen Vergangenheit der Nazidiktatur, wodurch bei uns ein umfassendes Schuldgefühl enstanden ist. Dann auch die Wirkung der protestantischen Religion, die den Menschen als von Sünde verderbt betrachtet. Etwas überspitzt formuliert führt das dazu, dass man sich ständig dafür entschuldigt, dass man überhaupt da ist.

 
Es ist aber stattdessen notwendig, auch menschliche Kultur, die Kreativität, die Fähigkeit der Menschen etwas positiv zu gestalten wirklich zur Kenntnis nehmen und das findet in Deutschland noch kaum statt
 

In Holland haben viele Menschen eingesehen, dass man mit der Abfallwirtschaft nicht weiter kommt, sondern nur mit einer Nährstoffwirtschaft, in der Abfälle zu Nährstoffen werden. Es gibt ganze Regionen in Holland, die eine Wirtschaft entwickeln wollen, die in diesen Nährstoffkreisläufen arbeitet, also nach dem Prinzip, da Cradle to Cradle genannt wird. Und die Unternehmen und Politik unterstützen das. Die Regierung hat dies zu einem ihrer Ziele erklärt, und es gibt viele Unternehmen, Fachleute, Architekten, Designer, Ingenieure, aber auch ganze Regionen, die erklären: "Wir wollen in Zukunft eine Nährstoffkreislauf-Wirtschaft". Prof. Dr. Michael Braungart

Die Deutschen auf der ewigen Suche nach sich selbst
Die heimliche Sehnsucht nach einer starken nationalen Identität keimt oft nur als Resultat eines Rechtfertigungsdrucks im Vergleich mit anderen Nationen auf, aber auch infolge einer Angst vor Überfremdung und unter dem Druck der Globalisierung. Ihre Bezüge zu Heimat, Nachbarschaft und Familie sind den Deutschen jedoch viel wichtiger. Dieser Pragmatismus ist Resultat einer archetypisch erlebten Vielfalt der stets eigenständigen deutschen Stämme und macht den Föderalismus zum Grundmuster deutscher Identität. Daraus haben die Deutschen auch ihre einzigartige Fähigkeit zum Werkeln entwickelt, das besondere Talent, aus allem etwas zu machen.

 
Im Werkeln und Tüfteln fühlen sich die Deutschen wohl und in technischen Innovationen von Weltrang wird deutsche Identität lebendig.
 

Auf diesem neutralen Territorium können die Deutschen auf ihre Leistungen stolz sein und ihre individuelle Identität in einem größeren Ganzen verorten. 

Als geradezu dramatisch bezeichnen die Wissenschaftler die Geschichtslosigkeit der Deutschen. Historisch bedeutsame Entwicklungen und Ereignisse sind weitgehend unbekannt und können deshalb auch nicht zu einer positiven Identifikation mit dem Deutsch-Sein beitragen. Stattdessen haben sich vier alltagstaugliche Muster entwickelt, die Gemeinsamkeit schaffen: Erfindergeist, Sicherheit, Tradition und Sentimentalität. In diesen Werten finden die Deutschen das, worauf sie wirklich stolz sind.  

In ihrem Sympathisieren mit dem Fremdem erweisen sich die Deutschen als Weltbürger, die für Anregungen aus anderen Kulturen sehr offen sind. Sie umarmen im Urlaub französisches Savoirvivre und südländische Gelassenheit, kochen zuhause balinesisch und marrokanisch und dekorieren ihre Wohnzimmer mit afrikanischen Schnitzereien. Der Multi-Kulti-Konsum integriert das Beste fremder Welten zu einer Identitäts-Bricolage, die jedoch unvollendet bleibt, da das Fremde ein fehlendes vitales Eigenes nicht ersetzen kann. Deshalb träumen die Deutschen auch sehr gerne vom Auswandern, stets in der Hoffnung, vielleicht am anderen Ende der Welt doch noch zur Ruhe zu kommen. In seiner Extremform führt dieses Muster zum Typus des Globaldeutschen, der auf Bezüge zum Deutsch-Sein weitgehend verzichtet und sich eine globale Patchwork-Identität bastelt. Identity Foundation
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Qualitative Studie der Identity Foundation, Gemeinnützige Stiftung iconDeutsch-Sein+im+Alltag (139.17 KB)

Betrachtet man Deutschland auf eine oberflächliche Art und Weise, ist von unseren geistigen Aufbrüchen nicht viel übrig geblieben. Unsere spirituelle Subkultur ist eine mehr oberflächliche Spielart der großen östlichen Traditionen, und das deutsche Denken hat sich anscheinend darauf zurückgezogen, die Welt mit teuren und effizienten Autos zu beglücken. Deutschland ist heute das Land der Ingenieure, nicht das Land der Philosophen. Die Wiederentdeckung einer integralen und evolutionären Spiritualität erreicht uns heute vor allem aus Amerika. Dort werden heute die Vorarbeiten der idealistischen und romantischen Philosophie in neuen Formen weitergedacht. In Deutschland wagen wir es anscheinend noch nicht direkt, an diese wichtigen Strömungen unserer Geistesgeschichte anzuschließen. Zu sehr steht noch im Raum, was in diesem Land passiert ist. Wir sind jedoch interessiert und begeistert, wenn andere dort weitermachen, wo die deutsche Philosophie die Dinge unverrichtet stehen ließ.
DR. TOM STEININGER unterrichtet ein Universitätsstudium in Conscious Evolution in Connecticut, USA und ist Chefredakteur der deutschen Ausgabe von What Is Enlightenment?. www.wie.org

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