| Ein Aufruf an alle!! | | Drucken | |
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Die Globalisierung und das Überleben dieser Wirtschaftsstrategie ist schon deshalb nicht möglich, weil sie den Zugriff auf mehr als zwei Planeten Erde als Ressourcenquelle voraussetzt. Und schon heute ist die ökologische Risikoschwelle durch völlig unnötige Ressourcenverschwendung überschritten. Schon heute machen die weltweiten Kosten für ökologische Rückwirkungen das Mehrfache der gesamten Wirtschaftshilfe an Drittländer aus. Allein die für die Kriegsführung im Irak eingesetzte Menge natürlicher Ressourcen hätte ausgereicht, für eine Milliarde Menschen Behausungen zu bauen.
Noch ist ungewiss, welche Belastungen durch die bereits angelaufene Klimaänderung auf welche Länder zukommen.
Noch sind die Folgen der künftigen Migration von hunderten von Millionen Umweltflüchtlingen nicht absehbar, während es offenbar heute wichtig ist, den Schweiss der edelsten Wirtschaftsexperten einzubringen, um das nicht-nachhaltige Wirken der Welthandelsorganisation [WTO] auszuweiten. Bin Laden zu jagen und Flugzeuge und Schnellfeuerwaffen zu exportieren ist offenbar wichtiger, als unbequeme Wahrheiten (Al Gore) zur Kenntnis zu nehmen und sich ernsthaft um die Überlebenschancen unserer Enkel zu kümmern.
Offenbar ist Nichtstun in Sachen wirklicher Zukunftssicherung politisch lohnender als die Geschicke der Menschen in eine Zukunft mit Zukunft zu leiten. Und anscheinend fühlen sich die meisten Menschen in den reichen Ländern noch immer sicher im Banne dieser buchstäblich lebensgefährlichen Wirtschaftspolitik. In China und in Indien sind die meisten sogar davon begeistert. Der Tanz auf dem Vulkan hat längst begonnen. Reförmchen à la Berlin, London und Paris helfen da nicht mehr weiter. Richten kann es nur noch eine neue industrielle Revolution in einer sozialen Marktwirtschaft, die die Bedürfnisse der Menschen mit zumindest zehnfach weniger Ressourceninput befriedigt. Technisch ist dies ohne Verlust von Lebensqualität machbar. Die heutigen Preise fordern hingegen die Verschwendung von natürlichen Ressourcen und Energie heraus: Mehr als 20 % der Inputkosten für natürliche Ressourcen in der produzierenden Industrie Deutschlands sind unnütz. Das macht fast 200 Milliarden Euro jährlich aus. Andererseits sind die Kosten für Arbeit wesentlich für die sozial unverantwortbare und extrem steuerlastige Arbeitslosigkeit verantwortlich. Nur eine Fiskalreform, welche die Preise völlig neu gestaltet, kann Zukunft bringen. Solange sich nachhaltiges Tun nicht lohnt, findet es auch nicht statt. Fassen wir ein paar Sachverhalte zusammen, aus denen Konsequenzen gezogen werden müssen: Die Realisierung einer nachhaltigen Zukunft fordert die Vernetzung wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Ziele. Es gibt keine Entscheidungen, die nicht auch Einfluss auf die Ökosphäre haben, ob in der Politik, der Wirtschaft oder im privaten Bereich. Wirtschaft ohne gezielte Einsparung von Ressourcen ist nicht zukunftsfähig. Problemlösungen der Zukunft werden dann den Weg in Richtung Nachhaltigkeit ebnen, wenn sie sich auf den Nutzen der Dinge konzentrieren. Wahre Innovation ist nicht die Vergrößerung des Angebotes mit neuen Mitteln, sondern die Schaffung von Lebensqualität mit weniger Ressourcen. Sie werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf den Märkten der Welt künftig besondere Erfolge bringen.
Eine nachhaltige Lösung der Umweltmisere muss am Eingang der Wirtschaft ansetzen und alle Produkte, Dienstleistungen und Verfahren ökologischer gestalten helfen. Sie muss kosteneffizient sein und mithilfe der Kräfte des Marktes das ökologisch Bessere finanziell belohnen. Globale soziale Gerechtigkeit erfordert, Würde und Bedürfnisse aller Mitmenschen zu achten und sich dafür einzusetzen, dass die Menschen ausreichenden Zugang zu den Ressourcen dieser Erde haben, dem einzigen Planeten, auf dem wir leben können.
Deutschland müsste sehr viel größer sein, als es ist, um all die Dinge zu produzieren, die die Deutschen konsumieren. So aber belegen Deutsche einfach die Fläche anderer Länder, und andere Nationen verhalten sich nicht sehr viel anders. Auf diese Weise sind wir Menschen dabei, die Bewohnbarkeit des einzigen Planeten, die uns als unsere Erde zur Verfügung steht, in Frage zu stellen. Wir schaffen vielfältig neue ökologische Rahmenbedingungen, ohne zu wissen, ob unter diesen neuen Vorgaben eines Tages für uns selbst noch Platz auf diesem Planeten sein wird. Wir erkennen mittlerweile nur, daß es immer unwahrscheinlicher wird, und wir müssen überlegen, was an dieser Stelle zu tun ist.
Die Erde ist in unserer Hand. Wir dürfen sie nicht fallen lassen. Wir müssen sie fest umklammern. Viel Zeit bleibt uns nicht, um anzupacken. Da durchgreifende technische Veränderungen zehn bis zwanzig Jahre brauchen, bis sie entwickelt sind und den Markt durchdringen, muß man damit rechnen, daß eine wirksame Dematerialisierung Jahrzehnte braucht. Und da jede wirkliche soziale Veränderung unter friedlichen Umständen eine Generation oder längerdaürt, liegt ein realistischer Zeithorizont für den Aufbau einer nachhaltigen ökonomischen Entwicklung bei mindestens zwanzig bis vierzig Jahren.
„Ich will aber auch einiges zur Zukunft sagen, weil das Überleben der
Menschen auf dieser Erde in Gefahr geraten ist. Die Erde macht unsere
Gier nach Ressourcen einfach nicht mehr mit. Millionen Menschen haben
Wasser und Strom gespart, Müll sortiert und manche sind aufs Fahrrad
umgestiegen. Wir bezahlen Milliarden für den Grünen Punkt und wir haben
geglaubt, mit Umweltschutz an der Ausgangsseite der Wirtschaft die Ökosphäre retten zu können.
Es hat nicht viel genutzt. Wir fahren volldampf voraus gegen die Wand. Wir vernichten die uns vertrauten und lebensnotwendigen Leistungen der Natur. Wir werden den ach so schweren Wohlstand nicht mehr los, den wir selbst erschuftet haben. Und nun machen die Chinesen und andere tüchtige Länder uns das nach, weil die offenbar gottgleiche Globalisierung dies erfordert und weil Herr Bush und Seinesgleichen, die Weltbank und Vorstände globaler Firmen diese Entwicklung so noch immer für richtig halten. Noch glauben die wohl ernsthaft, man könne auf einem begrenzten Planeten unbegrenztes Wachstum schaffen. Noch werden uns die Scheinerfolge täglich von gutgläubigen TV Berichterstattern vorgebetet mithilfe des Scheinmasses BIP und Börsennotierungen, die längst die Bodenhaftung verloren haben.
In seinem neuen Buch der Wiegand-Reihe bei Fischer: „Wie muss die Wirtschaft umgebaut werden? “ sagt der Wirtschaftswissenschaftler Bernd Meyer: „Es muss also eine dramatische Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch gelingen. Wenn wir bei der Lösung dieser Aufgabe scheitern, wird die bereits stattfindende Klimaerwärmung ein Ausmass annehmen, das nicht mehr abgeschätzt werden kann, mit unabsehbaren Folgen für die menschliche Existenz auf diesem Planeten“. Und dann sagt er: „Schmidt-Bleeks Forderung nach der Steigerung der Effizienz bei der Ressourcennutzung in den Industrieländern um den Faktor 10 kann...nur bestätigt werden“. Manche sagen jetzt, schon in 15 Jahren wird es zu spät sein, die klimatischen Veränderungen noch in erträglichen Grenzen zu halten.
DESHALB....
Müssen wir die materielle Basis der ganzen Menschheit neu erfinden, den Staat und die Wirtschaft neu erdenken – hier in Europa zuallererst, weil es unsere historisch verpflichtende und vielleicht letzte grosse Chance ist. Jede und jeder von uns muss vom Müllsortieren zum Aufklären avancieren, Verantwortung für eine noch immer mögliche Zukunft übernehmen und andere zum Mitmachen werben. Nicht Verzicht ist angesagt, sondern Mut, Vernunft und Pflichtgefühl mit Herz - für unsere Kinder und deren Kinder. Mut zur Nachhaltigkeit eben.
Viele Menschen wiederholen gebetsmühlenartig, Politiker täten viel zu wenig für ein faires und zukunftsfähiges Dasein der Menschen, weil ihnen das Wiedergewählt werden wichtiger sei. Wenn dies so ist, dann muss es umso mehr unser Ziel sein, möglichst viele Menschen vom Ernst der Situation und den Chancen für eine noch mögliche Zukunft zu überzeugen.
Nur wenn Politiker und Manager der Wirtschaft hautnah erfahren, dass viele Menschen Zukunft wirklich wollen, werden auch mutigere Entscheidungen möglich.
Friedrich Schmidt-Bleek, Professor für Chemie, war Vizepräsident des
Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie und leitet nun als
Präsident das Factor 10 Institut in Carnoules (Frankreich)
www.factor10-institute.org
Prof. Dr. F. Schmidt-Bleek Ich wünsche uns allen, dass wir den nötigen Mut zur Zukunft haben und ich wünsche den kommenden Generationen, dass sie von unseren Fehlern lernen, um in Würde und mit Freude ihr Leben meistern zu können. |
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