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Tourismus im Jahr 2020 | Drucken |  E-Mail
Tourismus ist ein Sehnsuchtsmarkt. Wie sieht der Reisemarkt der Zukunft aus? Fünf Thesen zur Urlaubswelt 2020. LOHAS und „Health Hedonist“. Erleben wir gerade das „Ende der Ferien“? Ethischer Konsum, stilvoll, nachhaltig und lustbetont. tourismus250px
Was wir für den Tourismus nun als postmodernen Welteroberer beschrieben haben, wurde jüngst in der soziodemografischen Literatur unter einem ganzen Bündel an schillernden Kürzeln und Kunstworten begriffen. Wir selbst sprechen gerne von den LOHAS, den „Lifestyle of Health and Sustainability“.
Forschungen in den USA und in Europa gehen davon aus, dass sich mittelfristig ein Drittel der Bevölkerung diesem Lebensstil anschließen wird.
Der neue Konsumententypus wurde auch als „Health Hedonist“ („New York Times“) beschrieben. Das ist ein gesunder Genießer, für den Gesundheit UND Genuss gleichermaßen wichtig sind, Lifestyle UND Umweltverträglichkeit, individuelles Wohlergehen UND das Schicksal der Menschheit, Familie UND eigene Karriere. Der amerikanische Soziologe Paul
Ray und die Psychologin Ruth Anderson haben zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein Buch  geschrieben, das den Untertitel trägt „How 50 Million people are changing the world“. Ray und Anderson bezeichnen diese hybriden Konsumenten als „Cultural Creatives“, kulturell Kreative. Ihr Aufkommen in den USA schätzen sie auf rund 50 Mio. Menschen (Erwachsenbevölkerung in den USA über 15 Jahre: 219 Mio.) – ein kleines Frankreich, voll mit kreativen, verantwortungsbewussten, gesundheitsorientierten und Genuss suchenden Menschen. 
Ray und Anderson führten in ihrer Studie die umfangreichsten aktuellen Umfragen zum Wertewandel in den USA für die letzten 20 Jahre durch. Diese Umfragen umfassten Stichproben bei 100.000 Amerikanern und genauere Untersuchungen bei über 500 Zielgruppen. Ray und Anderson fanden heraus, dass in den USA heute drei Subkulturen nebeneinander existieren. Jede ist eine Welt für sich und hat eine andere Weltsicht. Es handelt sich um die sog. „Traditionalisten“, die „Modernisten“ und die „Kulturell Kreativen“.
Paul Ray definiert den Lebensstil der „Kulturell Kreativen“ so: „Kulturell Kreative sind intensive Leser und kaufen mehr Bücher als durchschnittliche Amerikaner. Sie sehen weniger fern, weil sie die meisten TV-Sendungen nicht mögen und die Qualität der Nachrichtensendungen bedenklich finden. Werbung und Kindersendungen lehnen sie ab. Kulturell  Kreative setzen sich aktiv mit Kunst und Kultur auseinander, als Amateure und als Profis. In dem Streben nach Authentizität lehnen sie schlechte Qualität und Wegwerfartikel ebenso ab wie den Markenwahn. Kulturell Kreative kaufen nicht aus einem Impuls heraus, sondern informieren sich erst anhand von Tests und sind praktisch die einzigen Käufer, welche die  Produktetiketten aufmerksam lesen. Sie wollen keine Innovation um jeden Preis. Aber bei den meisten zukunftsweisenden technischen Erneuerungen und wissensintensiven Produkten, wie zum Beispiel bei der Sonnenenergie, sind sie Vorreiter. Ernährung spielt bei ihnen eine große Rolle. Sie kaufen Bioprodukte, viele werden als „Müsli-Esser“ belächelt. Ihr Zuhause ist ihnen ausgesprochen wichtig, doch äußere Statussymbole lehnen sie ab. Sie kaufen eher ein altes renovierungsbedürftiges Haus und ziehen traditionelle Stadtviertel mit viel Grün den vorstädtischen Reihenhaussiedlungen  vor.“ („Psychologie heute“, März 2005) 
 
 Um Missverständnissen vorzubeugen: Mit den LOHAS oder Kulturell Kreativen erwacht keine neue Elite der Konsumverweigerer. Ganz im Gegenteil. Sie sind keineswegs neueren Technologien abgewandt, allerdings ist es wichtig für sie, dass Innovationen einen persönlichen Nutzen haben und sich mit ihrem ökologischen Bewusstsein in Einklang bringen lassen.
Was für den Lebensentwurf der LOHAS von ganz zentraler Bedeutung ist, das ist ihre Sehnsucht nach Authentizität, nach „innerem Wachstum“ und nach Spiritualität. Die LOHAS bevorzugen: Erfahrungswissen statt Information: am liebsten aus erster Hand, face-to-face, denn nur so ist es möglich, ein authentisches Bild zu entwickeln.
 
These 1: In den nächsten Jahren bekommen wir es mit einem neuen Typus des Ferienreisenden zu tun: Er denkt global, fühlt sich in der Welt zu Hause – und ist  anspruchsvoller denn je.  
These 2: Lohnt es  sich tatsächlich, auf die neuen Alten zu bauen?   Ja. Aber es ist ein noch grundsätzlicherer Bedürfniswandel im Gange.  
These 3: Die postmodernen Welteroberer kommen und bekämpfen Mobilitätsstress mit Reiselust. Die neue touristische Premium-Zielgruppe fühlt sich nicht nur in der Welt zu Hause, ist sehr mobil und erlebnis-affin, sie begreift auch  Urlaub nicht mehr als singuläres Highlight einmal im Jahr.  
These 4: Exit Taste wird zum Dauerzustand. Wer es sich in dieser modernen, kreativen und weltgewandten Klientel also nur einigermaßen leisten kann, der nutzt jedes Zeitfenster zwischen beruflichen Terminen, um sich schnell einmal „auszuklinken“, „Auszeit“ zu nehmen und neue Kraft zu tanken.  
These 5: Tourismus für Nicht-Urlauber, tatsächlich ein neuer Gegentrend? Vor diesem Hintergrund müssen wir vorsichtig mit statistischen Erhebungen umgehen, die uns erklären wollen, dass vor allem das Heer der Nicht-Urlauber immer größer wird.
 
Quelle:
Das Zukunftsinstitut
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Tourismus 2020 – Die neuen Sehnsuchtsmärkte
von Dr. Eike Wenzel und Anja Kirig,
Zukunftsinstitut GmbH, Kelkheim, Februar 2006, 101 Seiten, ISBN
3-938284-14-5, 190 ,-- Euro

 
 
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