| Die Lifestyle-Falle | | Drucken | |
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Dazu dokumentieren sie aus ihrer privaten Perspektive, wie sich der Einzelne der prekären Entwicklung entgegenstellen kann, ohne erst auf den fürsorgenden Staat zu warten. Der vorliegende Band liefert profunde Beiträge zum Diskurs darüber, wie wir künftig leben wollen. Vorwort Noch nie standen Klimawandel, die Endlichkeit natürlicher Ressourcen und Bedrohungs-Szenarien für die Menschheit unter so großer öffentlicher Beachtung wie zur Zeit. Was Wissenschaftlern und einer informierten Minderheit der Bevölkerung seit zwanzig Jahren bekannt ist, beschäftigt endlich nationale und internationale Politik und beherrscht die Medien. Ein Klimagipfel folgt einem Energiegipfel, eine UN-Klimakonferenz der Weltumweltkonferenz. Ist die Gefahr nun gebannt, weil sie erkannt ist? Reicht die Problemlösungskompetenz der politisch Verantwortlichen, diese Herausforderungen zu meistern? Wir fürchten nein. Europas findigste Geister sind aufgerufen, mit Mut große und großartige Veränderungen einzuleiten. Doch man feilt an technischen Lösungen, sucht Konsens in Gesetzgebungsverfahren. Auf den Prüfstand gehört jedoch der gesamte westliche Lebensstil. Was bedeutet es denn, sich auf den Klimawandel einzustellen? Gehen wir zur Agentur für Klima wie jetzt zur Agentur für Arbeit? Wer denkt schon an Energieverbrauch, wenn es um die Karriere geht? Wie groß ist der persönliche Anteil des Einzelnen an der nötigen Klima-Vorsorge? Es tauchen ganz neue Kriterien für die Lebensplanung auf. In diesem Buch betrachten die Autorinnen und Autoren das Thema von zwei Seiten: Zum einen belegen sie als ausgewiesene Experten, wie es um unsere Existenzgrundlagen steht, verdeutlichen Risiken und zeigen Chancen auf. Zum anderen dokumentieren sie aus ihrer privaten Lebensgeschichte, wie sich der Einzelne der verhängnisvollen Entwicklung entgegenstellen kann, ohne erst auf den fürsorgenden Staat zu warten. Die Aufmerksamkeit für zu treffende Entscheidungen zu schärfen ist Anliegen dieses Buches. Im ersten Abschnitt fragt Edgar Göll, wie viel wir konsumieren müssen, um glücklich zu sein. Sepp Fiedler macht in seinem Beitrag Mut, sich zu einer eigenen Lebensführung zu bekennen. Lokales Handeln und regionale Geldsysteme zeigen im zweiten Abschnitt, wie man der Globalisierung entgegentreten kann. Barbara Tietze zeigt dies am Beispiel einer Seifenmanufaktur, Margrit Kennedy belegt anhand zinsfreier regionaler Geldsysteme, wie diese die nationalen Währungen ergänzen können, und Dorinha Andrade und Clóvis Zimmermann demonstrieren mit der Palmenbank in der brasilianischen Stadt Fortaleza, wie Mikrokredite Armut bekämpfen und eine solidarische Regionalwirtschaft fördern können. Der dritte Abschnitt steht im Zeichen radikaler Utopien, die Lothar Semsch aufwirft, und einer Analyse von Erhard O. Müller, mit der er den stets unterstellten Zusammenhang zwischen Wohlstand und Wirtschaftswachstum in Frage stellt. Es folgt ein sozusagen wissenschaftlich-technischer Passus. Darin macht Hartmut Graßl eine globale Energierechnung auf und fordert, ein zweites solares Zeitalter einzuläuten. Harald Schoembs kritisiert das aktuelle Energieverbrauchs-Verhalten aus mehreren Perspektiven, und Hans Boës macht die Folgen abrupter Klimaänderungen anschaulich und stellt alltagstaugliche alternative Transportmittel vor. Wer den Beitrag von Achmed Khammas liest, erfährt von den Schwierigkeiten, neue Technologien in einem Schwellenland, hier: Syrien, zu etablieren. Ähnliches schildert Arno Paulus allerdings für Berlin, das es verpasst hat, Solarhauptstadt zu werden. Aus einer eher persönlichen Perspektive betrachten die Autoren des letzten Abschnittes die Materie. Gerit von Leitner lässt uns einen Blick auf ungeahnte Zusammenhänge zwischen medizinischer Forschung und staatlichem Handeln werfen. Marcello Farabegoli spannt einen Bogen zwischen Physik, Philosophie, Umwelt und Kunst, und Andreas Eickelkamp untersucht die Verbindung von werbetreibender Industrie, den Massenmedien und unserem Lebensstil und stellt die Frage, ob der Mensch aufgrund seiner natürlichen Ausstattung Probleme der vorliegenden Größenordung überhaupt zu lösen vermag. Wie man sieht, ist das Themengebiet breit gefächert, und so haben sich die Herausgeber dazu entschlossen, sich zwischen den Themenblöcken mit Zwischenrufen moderierend zu Wort zu melden. Der Designer Johannes Cremer, der auch den Buchumschlag gestaltete, erzählt mit den lose eingestreuten Illustrationen parallel zum gedruckten Wort eine eigene Geschichte. Wie ein Fährtensucher spürt er thematische Stimmungsbilder der Ökobewegung seit den 70er Jahren auf und stellt sie zu einem Moodboard zusammen. Es beginnt mit den »reinsten« Gegenständen der Zeit und fächert sich dann auf, doch jeder Leser ist eingeladen, seine eigene Vorstellung dazu zu formen.
Inhalt
Vorwort ..................... 9 Edgar Göll Zukunftsfähiger Lebensstil – zum Glück ........ 15 Sepp Fiedler Vom Nutzen nahe liegender Lösungen ...... 33 Erster Zwischenruf ................ 57 Barbara Tietze Wirtschaften in Zeiten des Minuswachstums ........... 61 Margrit Kennedy Geldsystem und Solarlifestyle ................ 79 Dorinha Andrade, Clóvis Zimmermann Solidarisches Handeln und die solidarische Ökonomie: Die Erfahrung der Palmenbank in Fortaleza, Brasilien ........................... 113 Zweiter Zwischenruf ........................ 127 Lothar Semsch Zukunftsmodelle braucht das Land – eine radikale Utopie ......................... 129 Erhard O. Müller Die Wachstums-Neurose ist heilbar ......................... 151 Dritter Zwischenruf ....................... 165 Hartmut Graßl Das zweite solare Zeitalter ...................... 169 Rolf Kreibich Heizung und Warmwasser zum Nulltarif – eine Win-Win-Strategie für jedermann: Ein praktischer Beitrag zu einer neuen europäischen Energiestrategie ........................ 181 Harald Schoembs Energiebewusstsein und Lebenspraxis ...................... 203 Hans Boës Wir haben den Heizungsregler gefunden ................ 237 Achmed A. W. Khammas Energie und Innovation – in Syrien und anderswo ......................... 271 Arno Paulus Solarhauptstadt Berlin? ...................... 293 Vierter Zwischenruf ..................... 309 Gerit von Leitner Die mich als verirrtes Schaf belächeln ..................... 313 Marcello Farabegoli Zwischen Physik und Kunst – Nachhaltige Versöhnungsversuche ............................ 331 Andreas Eickelkamp Schöne Aussichten – oder vom Dilemma der menschlichen Natur ........ 359 Anmerkungen ..................... 369 Literatur .............................. 375 Die Autoren................ 381 392 Seiten mit Illustrationen. Franz. Broschur. ISBN 978-3-938807-49-1. Preis: 25,- Euro Rhombos-Verlag |
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