| Politik bekämpft nur Symptome | | Drucken | |
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In einer kleinen Stadt am Rhein haben ihre prominenten Bürger – Geschäftsleute, der Bürgermeister, der Richter, der Arzt u. a. – gemeinsam diniert, viel Wein getrunken, dann noch erlesene Schnäpse und nach Mitternacht fröhlich und angetörnt das Lokal verlassen. Auf dem Marktplatz war tagsüber Karneval gefeiert worden, ein Karussell mit an Ketten hängenden Sitzen stand da, aber keine Menschenseele war zu sehen. Einer der Zechbrüder meinte, es wäre doch lustig, jetzt Karussell zu fahren. Jeder fand einen Sitz, der letzte stellte den Motor an und sprang dann auch noch auf. Das Karussell kam schnell in Fahrt, die Sitze kreisten in der Höhe, niemand konnte mehr abspringen. Da bemerkten die Herren, dass sie den Motor nicht mehr abstellen konnten. Sie schrien nach Hilfe, aber niemand hörte sie. Um sechs Uhr morgens wurden sie von einem Zeitungsboten entdeckt, der die Feuerwehr alarmierte. Einer aus der fröhlichen Gesellschaft war tot, er hatte einen Herzinfarkt erlitten, drei sind bewusstlos ins Krankenhaus gebracht worden, alle haben einen Schock erlitten und mussten psychologisch behandelt werden. Das ist eine wahre Geschichte. Sie zeigt, wie es gegenwärtig der Finanzwelt ergeht, die ein globales Karussell in Gang gesetzt hat, das sie nicht mehr stoppen kann und dessen Sitze hoch über dem Boden der realen Wirtschaft in der Luft fliegen. Die Naturwissenschaften suchen die Geheimnisse des Kosmos und der Natur zu entschlüsseln und nicht, die Naturgesetze zu verbessern. Die Wirtschaftswissenschaftler müssen sich aber fragen lassen, ob sie nicht besser den Ingenieuren bei der Konstruktion einer Maschine nacheifern und unsere Geld- und Finanzordnung so entwerfen, dass sie ihren Zweck erfüllt: dem Leben zu dienen. Das Karussell unserer Finanzmärkte muss immer höher fliegen, um nicht abzustürzen. Weil das aber nicht möglich ist, erleben wir in regelmäßigen Abständen immer wieder Zusammenbrüche. Die weltweiten Rettungsaktionen kurieren Symptome – vielleicht bis eine Revolution das System hinwegfegt, weil die Menschen zu ahnen beginnen, dass es da nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Fachwelt geht von einer Konjunkturkrise oder Depression aus, die veröffentlichte Meinung vom Versagen der Manager und die Politik von unzureichender Kontrolle der Finanzmärkte. Auf diesem Bewusstseinsstand beauftragt die Politik die Fachwelt mit der Konstruktion eines „Sprungtuchs“, das die veröffentlichte Meinung zu halten bereit ist – in der Erwartung, dass mit den Opfern aller der Kollaps des Systems verhindert wird und wir in unserer kleinen, sicheren Alltagswelt bleiben können. Reparaturarbeiten sollen die Fehler beheben und ein System funktionstüchtig erhalten, das die Naturgesetze leugnet. Das aber ist eine fatale Illusion. Unsere Staatslenker ahnen nicht, dass das Karussell eine Fehlkonstruktion ist; sie wissen nicht genug, um eine neue Weltwirtschaftskrise zu verhindern, die wegen der globalen Verflechtungen heute viel dramatischer sein wird als 1929. Luftbuchungen haben Reichtum gezaubert Über dem Untergrund eines jährlichen Welthandels von 10 Billionen Dollar und eines Weltsozialprodukts von 50 Billionen Dollar schweben Derivate über 500 Billionen Dollar in den Büchern von Banken und Finanzagenturen, und auf freien Märkte jagen sie mit hoher Geschwindigkeit um den Globus. Die Quelle des die Welt beherrschenden Kapitals sind solche „Luftbuchungen“. Führen wir uns die Relationen vor Augen: In 500-Euro- Scheinen gestapelt ist eine Million 18 cm hoch, eine Milliarde 180 m hoch, eine Billion 180 km hoch. Wie können aus 50 Billionen, die von der Menschheit erarbeitet worden sind, 500 Billionen abgeleitet werden, die in den Büchern stehen? Unsere Geldordnung definiert die Beziehung zwischen der realen und der monetären Welt auf seltsame Weise: Geld muss sich immer exponentiell vermehren. Bei einem Zinssatz von 7 Prozent verdoppelt es sich etwa alle zehn Jahre. 100.000 Euro vermehren sich also im ersten Zehnjahreszeitraum um 100.000 Euro, im fünften Zehnjahreszeitraum vermehrt sich dieses Ausgangskapital dann aber schon auf 3,2 Millionen Euro. Die Wirtschaft wächst langfristig immer linear. Unser Bruttoinlandsprodukt ist seit fast 60 Jahren stetig in absolut etwa gleicher Höhe gewachsen. Das bedeutet, dass in einer reifen Volkswirtschaft die Wachstumsrate abnimmt. Wenn z.B. zu Beginn hundert Millionen um 15 Millionen wachsen, bedeutet das ein Wachstum von 15 Prozent. Wächst das jährliche Bruttoinlandsprodukt jedoch auf 1000 Millionen, entspricht ein Wachstum von 15 Millionen nur noch einer Steigerungsrate von 1,5 Prozent. Als unsere Wachstumsrate über dem Zinssatz lag, konnte das darüber hinaus erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt zwischen den Tarifparteien verteilt werden. Jetzt, wo der Zuwachs unter dem Zinssatz liegt, muss der Fehlbetrag Arbeitnehmern und Arbeitgebern weggenommen werden. Denn die Zinsen müssen gezahlt werden. Deshalb musste der Anteil der Löhne am deutschen Bruttoinlandsprodukt trotz eines stetigen Wachstums seit 2000 um 10 Prozent fallen. In dieser „Lohnsumme“ sind sogar die Millionengagen von Popstars, Spitzenmanagern und -sportlern enthalten. 1990 hat ein Topmanager das 20fache eines Arbeiters verdient, heute das 400fache. Trotzdem war das Jahreseinkommen des Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann (ca. 13 Millionen Euro in 2007) nur etwa so hoch oder niedrig wie das Tages(!)einkommen des New Yorker Hedgefondsmanagers John Paulson im vergangenen Jahr. Die Politik quält sich über Jahre mit der Entscheidung, ob einige hundert Millionen Euro für Investitionen in unsere Zukunft hier oder dort eingesetzt werden können. Sie braucht wenige Tage, um mit hunderten von Milliarden (Dollar in den USA, Euro in Europa) ein Sprungtuch zu spannen, das die Finanzbranche auffängt – mitsamt ihrer „Beute“, denn wenn die wertlos wird, ist alles Geld wertlos und die Wirtschaft bricht zusammen. Die „Natürliche Wirtschaftsordnung“ Silvio Gesell hat in einem umfangreichen Werk vor hundert Jahren begründet, warum fließendes Geld Krisen dauerhaft verhindert, eine faire Verteilung garantiert garantiert und Nachhaltigkeit rentabel werden lässt. Seine Ansätze sind von bedeutenden Ökonomen (John Maynard Keynes und Irving Fisher) gewürdigt worden. Keynes hat – wie Gesell – ebenfalls die Einführung „künstlicher Durchhaltekosten“ auf liquide Mittel empfohlen. Geld bringt mehr Menschen um den Verstand als die
Liebe. Sobald wir aber den Konstruktionsfehler der Marktwirtschaft –
unser destruktives Geldsystem – erkennen und fließendes Geld einführen,
sind wir nicht länger Sklaven der Wirtschaft. Die Wirtschaft wird dann
von selbst dem Leben dienen – und damit auch den Menschen. Wenn die
gegenwärtige Krise bewirkt, dass dieses Konzept an die heutigen
Gegebenheiten angepasst und umgesetzt wird, haben wir ein Karussell,
das nicht abhebt, sondern auf dem Boden der Realwirtschaft bleibt und
uns reines Vergnügen bereitet. Unser wunderschöner kleiner Planet kann
dann wieder zu dem Paradies werden, als den Gott ihn erschaffen hat. Das zu erreichen ist – aus höherer Sicht – der tiefere Sinn der
gegenwärtigen Krise, die ich deshalb willkommen heiße.
Der Neoliberalismus ist eine Ideologie In der heute herrschenden Lehre wird die Wirtschaftswissenschaft wie eine Naturwissenschaft betrieben. Die Schlüsse der reinen Lehre werden mit mathematischer Präzision aus einer Zielfunktion abgeleitet. Danach bewirkt die optimale Zuteilung verfügbarer Produktionsfaktoren ein „soziales Optimum“. Nach der Theorie werden die wirtschaftlichen Abläufe durch drei wirtschaftspolitische Stoßrichtungen optimiert:
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus ist dieses Credo der Ökonomie mit „Freiheit“ gleichgesetzt und weltweit an 90 Prozent der Universitäten gelehrt worden. Es gibt heute kaum noch volkswirtschaftliche Lehrbücher, die diese Denkschule in Frage stellen. Minister, Professoren, Berater von Regierungen in aller Welt und die Führungskräfte bei internationalen Organisationen sind durch diese Schule gegangen und haben sich von der Brillanz der Theorie blenden lassen. Ein Kreuzzug für den freien Markt hat überall einen unwiderstehlichen Druck für Reformen zur Privatisierung, Deregulierung und zum Abbau staatlicher Funktionen geschaffen. In praktisch jedem Land hat diese Ideologie sich in Gesetzen und neuen Realitäten der Wirtschafts- und Sozialverfassung niedergeschlagen. Der Internationale Währungsfonds hat unter der Leitung von Horst Köhler diese reine Lehre weltweit durchgesetzt. Die Konstruktion des Systems ist fehlerhaft Der Nobelpreisträger George J. Stigler, der Ökonom Steve Keen und der Mathematiker Jürgen Kremer haben nachgewiesen, dass das neoklassische Modell auf einem mathematischen Ableitungsfehler beruht und sich die Ergebnisse in ihr Gegenteil umkehren, wenn der Fehler behoben wird. Diese Erkenntnis wird von der herrschenden Lehre bis heute ignoriert, obwohl das Modell den Praxistest nicht bestanden hat. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Maurice Allais hat sogar behauptet, nicht die Theorie sei falsch, sondern die Wirklichkeit. Der Neoliberalismus bestimmt weltweit die Richtlinien der Politik und John Swaiton – Herausgeber der renommierten New York Times vor 30 bis 40 Jahren – hat in seiner Abschiedsrede erklärt, warum: „So etwas wie eine freie Presse gibt es nicht … Die eigentliche Aufgabe des Journalisten besteht darin, die Wahrheit zu zerstören, faustdicke Lügen zu erzählen, die Dinge zu verdrehen und sich selbst … für sein tägliches Brot zu verkaufen. … Wir sind nichts weiter als intellektuelle Prostituierte.“ Seit dem Wissenschaftstheoretiker Thomas Kuhn wissen wir, dass jede Wissenschaft auf Paradigmen aufbaut, die niemand beweisen kann, sondern die wir glauben müssen. Wenn das sogar für Naturwissenschaftler gilt, dann erst recht für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler. „Die Schwierigkeit liegt nicht so sehr in den neuen Ideen, als in der Befreiung von den alten, die sich bei allen … bis in den letzten Winkel ihres Denkens verzweigen“, hat der große Ökonom John Maynard Keynes die Scheuklappen der Fachwelt umschrieben. Zu allen Zeiten haben die Wirtschaftsfachleute die Interessen der jeweils herrschenden Klasse vertreten. Wie Wirtschaftssysteme sich selbst zerstören Im 14. Jahrhundert haben sie für die Privatisierung der Staatseinnahmen gesorgt. So kam es im Jahre 1342 unter Edward III. in England zum Staatsbankrott. Die Folgen haben die Bankiers dann allerdings ebenso wenig beherrschen können wie unsere Zechbrüder die Drehungen des Karussells: Das europäische Finanzsystem brach zusammen und löste hundert Jahre Hunger, Seuchen und Kriege aus, in denen ein Drittel der europäischen Bevölkerung umkam. Im 18. Jahrhundert hat die Schule der Physiokraten das erste in sich geschlossene volkswirtschaftliche System entwickelt; im Boden sahen sie den einzigen produktiven Faktor. So wurde der mit der Landwirtschaft geschaffene Reichtum den Besitzern des Bodens zugerechnet und die Feudalherrschaft legitimiert. Adel und Geistlichkeit waren zufrieden. Auch diese Lehre hat sich selbst zerstört, indem sie die französische Revolution auslöste. Im 19. Jahrhundert haben die Marxisten die Arbeit als einzigen Produktionsfaktor anerkannt, ihm das Produkt der Arbeit zugerechnet und damit die Macht der Funktionäre legitimiert, die sich als Interessenvertreter der Arbeiterklasse ausgegeben haben. Seit dem Zusammenbruch des Kommunismus gilt diese Lehre als praxisuntauglich. Im 20. Jahrhundert hat dann der Kapitalismus die Welt erobert – zunächst in der von Keynes empfohlenen Ausprägung mit staatlicher Lenkung. Aber die Keynesianer haben es versäumt, die Lehre ihres Meisters ökologisch, arbeitsmarktpolitisch und sozial neuen Gegebenheiten anzupassen und wussten nicht, wie sie der Stagflation (Stagnation und Inflation) begegnen sollten, die es nach Keynes gar nicht geben kann. Anfang der siebziger Jahre hat sich deshalb der Kapitalismus neoliberaler Ausprägung durchgesetzt, nach der das Kapital der entscheidende Produktionsfaktor ist. Der freie Fluss globaler Kapitalströme – von der unsichtbaren Hand des Marktes ihrer besten Verwendung zugeführt – ist seitdem das Dogma der Ökonomie. Für das Kapital und die von ihm finanzierten Investitionen darf es keine Grenzen geben. Dass die Grenzen für die Opfer – Menschen – dann geschlossen werden müssen, ist evolutionäre Auslese: Die Tüchtigen setzen sich durch; die Macht der Kapitaleigner ist effizient und deshalb legitim. Wie bei jedem anderen System zuvor erleben wir gerade, wie auch diese Form kapitalistischer Marktwirtschaft an ihren eigenen inneren Widersprüchen zerbricht. Die weltweiten Rettungsaktionen von Notenbanken, Regierungen und den Washingtoner Finanzbabylons verlängern das Siechtum; den Untergang des systems können und werden sie nicht verhindern. „Fließendes Geld“ braucht keine Krisen Wenn wir die Geschichte studieren, ist es erstaunlich, dass die Zeiten großer kultureller Blüte und breiten Wohlstands in der Bevölkerung Zeiten waren, in denen als Zahlungsmittel etwas gedient hat, das wir heute „fließendes Geld“ nennen. Alte Sprichwörter sagen uns, worauf es ankommt: „Der Rubel muss rollen“ oder „Taler, Taler, du musst wandern, von der einen Hand zur andern“. Geld erfüllt seine Funktion nur, wenn es reibungslos umläuft – also fließt – und in dem Maße vermehrt wird, in dem auch die reale Wirtschaft wächst: linear, nicht exponentiell. Seit Jahrhunderten hat es immer wieder Wirtschaftskrisen gegeben:
In der Geschichte hat es lange Perioden von Wohlstand, einer gerechten Vermögensverteilung und Frieden gegeben, die wir auf eine andere, bessere Geldordnung zurückführen können: Geld wird mit einer Gebühr für Lager-, Liege- oder Nutzungskosten belastet, die wir auch negativen Zins nennen können. Das bewirkt, dass diejenigen, die Geld haben, die Gebühr zu umgehen suchen. Dazu müssen sie ihr Geld ausgeben oder investieren. Das wiederum hat zur Folge, dass sich die Vermögen nicht exponentiell – krebsartig – vermehren und damit die Realwirtschaft zersetzen. Investitionen vermehren das Vermögen im Durchschnitt so, wie auch die reale Wirtschaft wächst. Dieses System braucht keine Krise mehr. Historische Vorbilder geben uns Hoffnung Vor 8.000 Jahren haben die Sumerer mit „fließendem Geld“ tausend (!) Jahre lang in Wohlstand und Frieden gelebt. Das hat es ihnen auch ermöglicht, ein trockenes Tal in ein landwirtschaftliches Paradies zu verwandeln, die Schrift und das Metallhandwerk zu erfinden. Von 1150 bis 1450 haben die Mitteleuropäer mit fließendem Geld hunderte prachtvoller mittelalterlicher Städte gebaut, die schönsten Dome und Kathedralen der Welt errichtet, ärmliche Fischerhäfen um Ost- und Nordsee in reiche Hansestädte verwandelt und 300 (!) Jahre Frieden gehabt – zeitweise mit nur vier Arbeitstagen in der Woche. In der großen Wirtschaftskrise ab 1929 haben Gemeinden mit fließendem Geld die Arbeitslosigkeit überwunden und sich eine moderne Infrastruktur geschaffen. Die Finanzexperten allerdings haben diese Experimente als groben Unfug bezeichnet und die Zentralbanken Verbote durchgesetzt. Ein Rettungsprogramm für die Krise Die Lehre aus den historischen Beispielen ist einfach: Geld schafft Wohlstand, sobald es zinsfrei fließt: Von den Girokonten könnten heute z.B. monatlich ¾ Prozent Gebühr abgebucht werden. Bei Terminanlagen reduziert sich der Satz auf bis zu ¼ und bei langfristigen Investitionen entfällt er ganz. Bargeld gibt es entweder nur in Form von Geldkarten und mit dem Mobiltelefon können wir im Online Banking Gutschriften entgegennehmen oder aber in die Geldscheine werden Chips eingebaut, die die monatlich fällige Gebühr jedes Mal anzeigen, wenn der Schein im Prüfgerät der Bank oder des Einzelhändlers auf seine Gültigkeit überprüft wird. Dann muss die Gebühr bezahlt werden und das Gerät aktualisiert den Schein. Wenn auf dem Finanzmarkt noch ein Zins gezahlt wird, erhöht die Zentralbank die Gebühr geringfügig, bis der Marktzins null ist. Wird der Marktzins negativ, reduziert die Zentralbank die Gebühr, bis der Zins wieder null wird. In Verbindung mit dieser Feinsteuerung kann die Zentralbank den Geldwert durch die Steuerung der Geldmenge stabil – die Inflation also exakt auf null – halten. Geldwertstabilität macht finanzielle Dispositionen langfristig berechenbar und bietet Sicherheit für Vorsorgemaßnahmen aller Art. Unternehmen können sich – gegen Sicherheiten wie heute – zinslos Kredite beschaffen und das löst einen beispiellosen Investitionsschub aus. Der Staat kann sich teilweise aus der Geldgebühr oder -steuer finanzieren und andere Steuern senken. Die öffentlichen Haushalte vermeiden langfristig den heute zweithöchsten Budgetposten – den Schuldendienst – und können in Infrastruktur investieren. Die großartigste Konsequenz fließenden Geldes aber ist, dass unsere Arbeitseinkommen erheblich anwachsen: Jedes Produkt, das wir kaufen, hat viele Verarbeitungsstufen in der Wertschöpfungskette hinter sich. Jede Stufe von Herstellung, Transport, Lagerung und Verkauf ist kapitalintensiv. Die Kapitalkosten (Zinsen oder kalkulatorische Zinsen) müssen in den Preis hineinkalkuliert werden. Auch wer vollkommen schuldenfrei ist, bezahlt mit jedem Euro, den er ausgibt, im Durchschnitt 30 bis 40 Prozent Zinsen. Wenn wir zusätzlich noch die Steuerlast in sämtlichen Wertschöpfungsstufen und auch bei den Konsumenten berücksichtigen, kommen wir auf ungefähr 50 Prozent Zinsanteil in den Preisen. Mit anderen Worten: Auch wenn wir schuldenfrei sind, zahlen wir im Durchschnitt ungefähr die Hälfte von jedem ausgegebenen Euro für Zinsen. Und wenn die – als eine segensreiche Folge fließenden Geldes – sinken, steigen die Arbeitseinkommen entsprechend. Viele wollen dann vielleicht mehr ausgeben. Aber viele werden lieber weniger arbeiten und Halbtagstätigkeiten anstreben; das Arbeitsangebot geht zurück. Im frühen Mittelalter sind die Baudenkmäler und Reichtümer in teilweise nur 30 Arbeitsstunden in der Woche erschaffen worden. Beim heutigen Stand der Technik wären 20 Stunden genug, ohne dass wir unseren Lebensstandard einschränken müssten. Nach den Gesetzen des Marktes werden die Arbeitseinkommen steigen, mit ihnen die Altersrenten und für viele öffentliche Aufgaben werden plötzlich Mittel verfügbar sein. Videobeitrag > Business Reframing
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