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Gut für Körper und Umwelt | Drucken |  E-Mail
rootsWas ist wichtig für mein Leben“: Ian Cheshire vom britischen Konsumgiganten Kingfisher weiß, was die Verbraucher heute wünschen. „Natürlich wollen sie in wirtschaftlich klammen Zeiten sparen“, erklärt er, „aber sie bleiben auch bewusste Konsumenten.“ Ihr Ziel ist der ethisch korrekte Kauf. Auch in Deutschland. Hier boomt die Fair-Trade-Branche überdurchschnittlich: 2008 auf 213 Millio­nen Euro Umsatz – gut 50 Prozent mehr als im Vorjahr.

Diese so genannten „Lohas“-Käufer – Lifestyle of Health and Sustainabili­ty - sind mittlerweile eine ernstzuneh­mende Gesellschaftskraft: Das Natural Marketing Institute in den USA zählt gut ein Drittel der Amerikaner dazu. Deren ökonomisches Potenzial liegt bei fast 210 Milliarden Dollar pro Jahr. Davon geben diese Konsumenten die Hälfte für Ernährung und Gesundheit aus.

Video: Rohstoff aus dem südlichen Afrika



Der Trend, das eigene Wohl und die Verantwortung für die Natur zu verbin­den, ist auch in Deutschland ungebro­chen. So genannte Phytopharmaka nutzten Medizinkundige schon seit 6000 v. Chr. Die Bundesbürger zählen dabei heute weltweit zu den größten Freunden dieser gesunden Helfer: „Sie lieben Pflanzenmedizin“, weiß Traugott Ullrich. Der Arzt ist Marketingleiter von „Umckaloabo“, dem Umsatz-Markt­führer bei apothekenpflichtigen Erkäl­tungsmitteln zur Selbstmedikation. Er zitiert eine Umfrage, wonach „mehr als 70 Prozent der Deutschen natürliche Arznei nutzen“. Fast Dreiviertel der Be­völkerung gaben bei einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach an, sie seien Naturheilmittelverwender. „Zwei Drittel der Deutschen, das fand der Seniorenratgeber/GesundheitPro heraus, vertrauen eher Arzneimitteln mit natürlichen Inhaltsstoffen als che­mischen Präparaten.“
Unternehmen wie Weleda in Schwä­bisch Gmünd setzen ebenfalls auf die­sen Trend: „Mehr denn je übernehmen Patienten heutzutage selbst die Verant­wortung für die Erhaltung ihrer Gesund­heit“, betonen die anthroposophischen Arzneiproduzenten. Ihr Leitmotiv „im Einklang mit Mensch und Natur“ fordert für die Herstellung der Medikamente „ei­nen sparsamen Umgang mit den natür­lichen Ressourcen“.

Der Bundesverband der Arzneimittelher­steller sieht ebenfalls eine „verstärkte Hinwendung zu natürlichen Quellen im Rahmen einer bewussten und gesun­den Lebensführung“. Phytopharmaka nämlich gelten als besser verträglich.
Sie „funktionieren“, das wissen Apothe­ker, viel komplexer als chemisch-synthetische Medikamente. Dies liegt an der Vielzahl der Inhaltsstoffe, die durch ein Auszugsverfahren aus den Pflanzenbe­standteilen gewonnen werden.
Die aufgeklärten Verbraucher lassen sich jedoch nur selten ein X für ein U verkaufen. Voraussetzung für die Ak­zeptanz bei den Verbrauchern ist, dass diese den Nutzen der Medikamente klar nachvollziehen können. Spätestens seit sie für die meisten dieser Präparate selbst in die Tasche greifen müssen, wollen sie wissen, ob Pillen und Säfte tatsächlich helfen. Produzenten, wie die Ettlinger Arzneimittelfirma Spitzner etwa machen mit ihren Produkten des­halb recht aufwändige Tests. Sie unter­suchen die Wirksamkeit an Patienten in großen klinischen Studien. „Intensive Forschungsaktivitäten sind eine wesent­liche Basis unseres Geschäftserfolges“, weiß Traugott Ullrich.

roots2Phytopharmaka müssen den für alle Arzneimittel üblichen Anforderungen an Qualität, Wirksamkeit und Unbedenk­lichkeit genügen“, betont auch Werner Knöss vom Bundesinstitut für Arzneimit­tel und Medizinprodukte in Bonn. Dort wird im Rahmen aufwändiger Zulas­sungsverfahren festgelegt, ob ein Medi­kament vermarktet werden darf. Wichtig ist immer mehr Verbrauchern auch, dass die Arzneimittel bei der Produktion
und Anwendung in der Natur keine uner­wünschten Spuren hinterlassen. Genau dies ist bei vielen synthetischen Arznei­mitteln keinesfalls immer auszuschlie­ßen: Für Hermann Dieter vom Umwelt­bundesamt (UBA) gehört der Cocktail aus Hormonen, Blutfettsenkern, Kontrast- oder Schmerzmitteln, den solche Medi­kamente mitunter hinterlassen nämlich nicht ins Trinkwasser. Aber „die meisten Kläranlagen können die Stoffe nicht völ­lig herausfiltern“, weiß der Heidelberger Physik-Professor Gisbert zu Putlitz. „Kein Grund zur Panik“, wehrt dennoch Florian Keil vom Institut für sozialökologische For­schung in Frankfurt ab, sieht freilich „An­lass zur Vorsorge“, nachdem er für das Bundesforschungsministerium zwischen 2005 und 2008 Trinkwasser untersuchte.

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Sein Fazit: „Wir stecken in einem Dilem­ma: Stoffe, die einen hohen individuellen und gesellschaftlichen Nutzen haben, belasten als Folge ihres bestimmungsge­mäßen Gebrauchs eine lebenswichtige Ressource.“
Ebenso wichtig ist den Lohas-Käufern und Herstellern wie etwa Spitzner neben dem pfleglichen Umgang mit ihren Rohstoffen auch jener mit der Produktions­stätte Natur. Schon weil ihr Rohstoff aus klimatischen Gründen ausschließlich im südlichen Afrika gedeihe, müssen wir be­hutsam mit den Pelargonien umgehen, sagt daher Frank Waimer. Er leitet das Qualitätsmanagement der Spitzner-Mut­ter Schwabe in Karlsruhe. Er achtet da­rauf, dass in allen Phasen der Arznei-Pro­duktion Rücksicht auf die mitarbeitenden Menschen und die Natur groß geschrie­ben wird.
Etwa auf den Bergen des Königreichs Lesotho: Dort brechen seine Wildsamm­ler stets nur einen Teil der Wurzeln ihrer Pelargonium-Ernte ab und legen ihn in Sammelkörbe. Den Rest verscharren sie unter der Bergwiese. „So bleibt ge­nug Pelargonium sidoides im Boden und die Pflanze treibt neu aus“, erklärt vor Ort ein Pflanzenscout. Er zeigt im Auf­trag der deutschen Arzneiproduzenten den Bewohnern eines Bergdorfs, wie sie ernten, ohne die Natur zu stören.

roots3_600Davon profitieren die ganze Gemein­schaft und die Natur. Deshalb kooperiert der Dorf-Chef doppelt gern mit den deut­schen Medizinherstellern aus Ettlingen. Das Pharmaunternehmen achtet zuneh­mend darauf, neben der Wildsammlung der Blumenwurzeln, die Pflanze nicht nur auf eigenen Plantagen, sondern auch durch die Wildsammler selbst und afrika­nische Dorfgemeinschaften anbauen zu lassen. Bei 35 Grad im Schatten setzen dann Plantagenarbeiter lila blühende, unscheinbare Pflänzchen in langen Ko­lonnen. Sie wässern und jäten – und har­ren mindestens drei Jahre geduldig aus. Erst dann nämlich dürfen sie die Blumen ernten und deren Wurzeln als Rohstoff für die Erkältungsmedizin an die Pharmaindustrie verkaufen. Geschreddert und in Deutschland zu Tropfen destilliert, wird daraus das Erkältungsmittel Umckaloabo. „Der Weg mit der Natur“, wissen auch die Verantwortlichen des Spitzner-Wettbewer­bers Wala, „ist letztlich vielleicht der ein­zige, der in die Zukunft führt.“ Seit der Fir­mengründung durch den Chemiker Rudolf Hauschka steht „der verantwortungsvolle Umgang mit Natur und Mensch“ im Zen­trum allen Wirtschaftens der Kosmetik- und Arzneimittelfirma aus dem schwäbischen Eckwälden bei Bad Boll.

Wie Weleda set­zen auch die Wala-Mitarbeiter vor allem auf die biologisch-dynamische Reinheit ihrer Produktbasis. „Nachwachsende Rohstoffe bedürfen einer weitsichtigen Planung und gewissenhaften Qualitätsprüfung“, wissen die Experten des Unternehmens. Denn „auf natürlichen Inhaltsstoffen basierende Arzneimittel in konstant hoher Qualität und jederzeit verfügbar herzustellen, ist eine be­sondere Herausforderung“.
Weil das Wohlergehen vieler Patienten im Norden und im Süden von der Arbeit der Menschen am Kap abhängt, unterstützen die badischen Pharmazeuten von Spitz­ner die Pflanzer an der Südspitze Afrikas. Sie stellen ihnen die extra vorgezogenen Setzlinge für ihre Äcker zur Verfügung. Sie bilden die Arbeiter aus, damit diese wis­sen, wie sie die Pflanzen pflegen müssen oder die Wurzeln nicht zu früh aus der Erde graben. Sie fördern lokale Kleinunterneh­mer und geben ihnen einen fixen Platz in der Erzeugerkette des Erkältungsmittels Umckaloabo.

roots4Zudem kooperiert das badische Arznei­mittelunternehmen mit den einheimischen Universitäten Afrikas. Denn die „grüne Apotheke“ ist das Kapital der südlichen Länder Afrikas, Asiens oder Lateinamerikas. Immerhin, das taxierten Wissenschaftler wie der Botanik-Spezialist Eric van Wyk aus Kapstadt bei einer wis­senschaftlichen Konferenz im Herbst 2008, liege das weltweit vorhandene Potenzial der Medizinpflanzen bei rund 400 Milliar­den Dollar. „Wir brauchen aber mehr For­schung“, bilanziert auch van Wyk, „sonst ist der Schatz nicht zu heben.“
Die Kooperation zwischen dem deut­schen Arzneimittelhersteller Spitzner und südafrikanischen Universitäten legt dabei den Grundstock, dass dabei wissenschaft­liche Erkenntnisse über die afrikanische Pflanze in ihr Ursprungsland transferiert und die Menschen des schwarzen Konti­nents selbst das Wissen über die Heil­pflanze weiter entwickeln können.

Gerd Pfitzenmaier - ausdruck verlag
www.globalmagazin.com

 

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