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Diese so genannten „Lohas“-Käufer – Lifestyle of Health and Sustainability - sind mittlerweile eine ernstzunehmende Gesellschaftskraft: Das Natural Marketing Institute in den USA zählt gut ein Drittel der Amerikaner dazu. Deren ökonomisches Potenzial liegt bei fast 210 Milliarden Dollar pro Jahr. Davon geben diese Konsumenten die Hälfte für Ernährung und Gesundheit aus.
Video: Rohstoff aus dem südlichen Afrika
Der Trend, das eigene Wohl und die Verantwortung für die Natur zu verbinden, ist auch in Deutschland ungebrochen. So genannte Phytopharmaka nutzten Medizinkundige schon seit 6000 v. Chr. Die Bundesbürger zählen dabei heute weltweit zu den größten Freunden dieser gesunden Helfer: „Sie lieben Pflanzenmedizin“, weiß Traugott Ullrich. Der Arzt ist Marketingleiter von „Umckaloabo“, dem Umsatz-Marktführer bei apothekenpflichtigen Erkältungsmitteln zur Selbstmedikation. Er zitiert eine Umfrage, wonach „mehr als 70 Prozent der Deutschen natürliche Arznei nutzen“. Fast Dreiviertel der Bevölkerung gaben bei einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach an, sie seien Naturheilmittelverwender. „Zwei Drittel der Deutschen, das fand der Seniorenratgeber/GesundheitPro heraus, vertrauen eher Arzneimitteln mit natürlichen Inhaltsstoffen als chemischen Präparaten.“
Unternehmen wie Weleda in Schwäbisch Gmünd setzen ebenfalls auf diesen Trend: „Mehr denn je übernehmen Patienten heutzutage selbst die Verantwortung für die Erhaltung ihrer Gesundheit“, betonen die anthroposophischen Arzneiproduzenten. Ihr Leitmotiv „im Einklang mit Mensch und Natur“ fordert für die Herstellung der Medikamente „einen sparsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen“. Der Bundesverband der Arzneimittelhersteller sieht ebenfalls eine „verstärkte Hinwendung zu natürlichen Quellen im Rahmen einer bewussten und gesunden Lebensführung“. Phytopharmaka nämlich gelten als besser verträglich. Sie „funktionieren“, das wissen Apotheker, viel komplexer als chemisch-synthetische Medikamente. Dies liegt an der Vielzahl der Inhaltsstoffe, die durch ein Auszugsverfahren aus den Pflanzenbestandteilen gewonnen werden. Die aufgeklärten Verbraucher lassen sich jedoch nur selten ein X für ein U verkaufen. Voraussetzung für die Akzeptanz bei den Verbrauchern ist, dass diese den Nutzen der Medikamente klar nachvollziehen können. Spätestens seit sie für die meisten dieser Präparate selbst in die Tasche greifen müssen, wollen sie wissen, ob Pillen und Säfte tatsächlich helfen. Produzenten, wie die Ettlinger Arzneimittelfirma Spitzner etwa machen mit ihren Produkten deshalb recht aufwändige Tests. Sie untersuchen die Wirksamkeit an Patienten in großen klinischen Studien. „Intensive Forschungsaktivitäten sind eine wesentliche Basis unseres Geschäftserfolges“, weiß Traugott Ullrich. „Phytopharmaka müssen den für alle Arzneimittel üblichen Anforderungen an Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit genügen“, betont auch Werner Knöss vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn. Dort wird im Rahmen aufwändiger Zulassungsverfahren festgelegt, ob ein Medikament vermarktet werden darf. Wichtig ist immer mehr Verbrauchern auch, dass die Arzneimittel bei der Produktion und Anwendung in der Natur keine unerwünschten Spuren hinterlassen. Genau dies ist bei vielen synthetischen Arzneimitteln keinesfalls immer auszuschließen: Für Hermann Dieter vom Umweltbundesamt (UBA) gehört der Cocktail aus Hormonen, Blutfettsenkern, Kontrast- oder Schmerzmitteln, den solche Medikamente mitunter hinterlassen nämlich nicht ins Trinkwasser. Aber „die meisten Kläranlagen können die Stoffe nicht völlig herausfiltern“, weiß der Heidelberger Physik-Professor Gisbert zu Putlitz. „Kein Grund zur Panik“, wehrt dennoch Florian Keil vom Institut für sozialökologische Forschung in Frankfurt ab, sieht freilich „Anlass zur Vorsorge“, nachdem er für das Bundesforschungsministerium zwischen 2005 und 2008 Trinkwasser untersuchte.
Sein Fazit: „Wir stecken in einem Dilemma: Stoffe, die einen hohen individuellen und gesellschaftlichen Nutzen haben, belasten als Folge ihres bestimmungsgemäßen Gebrauchs eine lebenswichtige Ressource.“ Ebenso wichtig ist den Lohas-Käufern und Herstellern wie etwa Spitzner neben dem pfleglichen Umgang mit ihren Rohstoffen auch jener mit der Produktionsstätte Natur. Schon weil ihr Rohstoff aus klimatischen Gründen ausschließlich im südlichen Afrika gedeihe, müssen wir behutsam mit den Pelargonien umgehen, sagt daher Frank Waimer. Er leitet das Qualitätsmanagement der Spitzner-Mutter Schwabe in Karlsruhe. Er achtet darauf, dass in allen Phasen der Arznei-Produktion Rücksicht auf die mitarbeitenden Menschen und die Natur groß geschrieben wird. Etwa auf den Bergen des Königreichs Lesotho: Dort brechen seine Wildsammler stets nur einen Teil der Wurzeln ihrer Pelargonium-Ernte ab und legen ihn in Sammelkörbe. Den Rest verscharren sie unter der Bergwiese. „So bleibt genug Pelargonium sidoides im Boden und die Pflanze treibt neu aus“, erklärt vor Ort ein Pflanzenscout. Er zeigt im Auftrag der deutschen Arzneiproduzenten den Bewohnern eines Bergdorfs, wie sie ernten, ohne die Natur zu stören. Davon profitieren die ganze Gemeinschaft und die Natur. Deshalb kooperiert der Dorf-Chef doppelt gern mit den deutschen Medizinherstellern aus Ettlingen. Das Pharmaunternehmen achtet zunehmend darauf, neben der Wildsammlung der Blumenwurzeln, die Pflanze nicht nur auf eigenen Plantagen, sondern auch durch die Wildsammler selbst und afrikanische Dorfgemeinschaften anbauen zu lassen. Bei 35 Grad im Schatten setzen dann Plantagenarbeiter lila blühende, unscheinbare Pflänzchen in langen Kolonnen. Sie wässern und jäten – und harren mindestens drei Jahre geduldig aus. Erst dann nämlich dürfen sie die Blumen ernten und deren Wurzeln als Rohstoff für die Erkältungsmedizin an die Pharmaindustrie verkaufen. Geschreddert und in Deutschland zu Tropfen destilliert, wird daraus das Erkältungsmittel Umckaloabo. „Der Weg mit der Natur“, wissen auch die Verantwortlichen des Spitzner-Wettbewerbers Wala, „ist letztlich vielleicht der einzige, der in die Zukunft führt.“ Seit der Firmengründung durch den Chemiker Rudolf Hauschka steht „der verantwortungsvolle Umgang mit Natur und Mensch“ im Zentrum allen Wirtschaftens der Kosmetik- und Arzneimittelfirma aus dem schwäbischen Eckwälden bei Bad Boll. Wie Weleda setzen auch die Wala-Mitarbeiter vor allem auf die biologisch-dynamische Reinheit ihrer Produktbasis. „Nachwachsende Rohstoffe bedürfen einer weitsichtigen Planung und gewissenhaften Qualitätsprüfung“, wissen die Experten des Unternehmens. Denn „auf natürlichen Inhaltsstoffen basierende Arzneimittel in konstant hoher Qualität und jederzeit verfügbar herzustellen, ist eine besondere Herausforderung“. Weil das Wohlergehen vieler Patienten im Norden und im Süden von der Arbeit der Menschen am Kap abhängt, unterstützen die badischen Pharmazeuten von Spitzner die Pflanzer an der Südspitze Afrikas. Sie stellen ihnen die extra vorgezogenen Setzlinge für ihre Äcker zur Verfügung. Sie bilden die Arbeiter aus, damit diese wissen, wie sie die Pflanzen pflegen müssen oder die Wurzeln nicht zu früh aus der Erde graben. Sie fördern lokale Kleinunternehmer und geben ihnen einen fixen Platz in der Erzeugerkette des Erkältungsmittels Umckaloabo. Zudem kooperiert das badische Arzneimittelunternehmen mit den einheimischen Universitäten Afrikas. Denn die „grüne Apotheke“ ist das Kapital der südlichen Länder Afrikas, Asiens oder Lateinamerikas. Immerhin, das taxierten Wissenschaftler wie der Botanik-Spezialist Eric van Wyk aus Kapstadt bei einer wissenschaftlichen Konferenz im Herbst 2008, liege das weltweit vorhandene Potenzial der Medizinpflanzen bei rund 400 Milliarden Dollar. „Wir brauchen aber mehr Forschung“, bilanziert auch van Wyk, „sonst ist der Schatz nicht zu heben.“ Die Kooperation zwischen dem deutschen Arzneimittelhersteller Spitzner und südafrikanischen Universitäten legt dabei den Grundstock, dass dabei wissenschaftliche Erkenntnisse über die afrikanische Pflanze in ihr Ursprungsland transferiert und die Menschen des schwarzen Kontinents selbst das Wissen über die Heilpflanze weiter entwickeln können.
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„Phytopharmaka müssen den für alle Arzneimittel üblichen Anforderungen an Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit genügen“, betont auch Werner Knöss vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn. Dort wird im Rahmen aufwändiger Zulassungsverfahren festgelegt, ob ein Medikament vermarktet werden darf. Wichtig ist immer mehr Verbrauchern auch, dass die Arzneimittel bei der Produktion
Davon profitieren die ganze Gemeinschaft und die Natur. Deshalb kooperiert der Dorf-Chef doppelt gern mit den deutschen Medizinherstellern aus Ettlingen. Das Pharmaunternehmen achtet zunehmend darauf, neben der Wildsammlung der Blumenwurzeln, die Pflanze nicht nur auf eigenen Plantagen, sondern auch durch die Wildsammler selbst und afrikanische Dorfgemeinschaften anbauen zu lassen. Bei 35 Grad im Schatten setzen dann Plantagenarbeiter lila blühende, unscheinbare Pflänzchen in langen Kolonnen. Sie wässern und jäten – und harren mindestens drei Jahre geduldig aus. Erst dann nämlich dürfen sie die Blumen ernten und deren Wurzeln als Rohstoff für die Erkältungsmedizin an die Pharmaindustrie verkaufen. Geschreddert und in Deutschland zu Tropfen destilliert, wird daraus das Erkältungsmittel Umckaloabo. „Der Weg mit der Natur“, wissen auch die Verantwortlichen des Spitzner-Wettbewerbers Wala, „ist letztlich vielleicht der einzige, der in die Zukunft führt.“ Seit der Firmengründung durch den Chemiker Rudolf Hauschka steht „der verantwortungsvolle Umgang mit Natur und Mensch“ im Zentrum allen Wirtschaftens der Kosmetik- und Arzneimittelfirma aus dem schwäbischen Eckwälden bei Bad Boll.
Zudem kooperiert das badische Arzneimittelunternehmen mit den einheimischen Universitäten Afrikas. Denn die „grüne Apotheke“ ist das Kapital der südlichen Länder Afrikas, Asiens oder Lateinamerikas. Immerhin, das taxierten Wissenschaftler wie der Botanik-Spezialist Eric van Wyk aus Kapstadt bei einer wissenschaftlichen Konferenz im Herbst 2008, liege das weltweit vorhandene Potenzial der Medizinpflanzen bei rund 400 Milliarden Dollar. „Wir brauchen aber mehr Forschung“, bilanziert auch van Wyk, „sonst ist der Schatz nicht zu heben.“ 

















































